Geſchichte von England. Kap. l. 3
Die Britannier waren in viele kleinere Staͤmme oder Nationen eingetheilet; undals ein kriegeriſches Volk, deſſen ganzes Eigenthum ſein Schwerd und ſein Vieh war,fiel es, nachdem ſie einmal einen Geſchmack an der Frepheit gefunden hatten, ihren An—fuͤhrern und Oberhaͤuptern unmoͤglich, eine deſpotiſche Gewalt uͤber ſie zu errichlen.Ihre Regierungsform, ob ſie gleich monarchiſch war, war dennoch frey b), wie allerceltiſcher Nationen, und es ſcheinet ſelbſt, daß das gemeine Volk mehr Freyheit unterihnen e), als unter den galliſchen Nationen 4), von welchen ſie entſprungen waren, ge-noſſen habe. Jeder Staat war an ſich ſelbſt in Parteyen getheilet e): er ſuchte den be—nachbarten Staaten nachzueifern; und ſo lange die Kuͤnſie des Friedens ben dieſem Volkenoch unbekannt waren, wär der Krieg die Hauptbeſchaͤfftigung und der vornehmſteGegenſtand der Ruhmbegierde des Volks. a
Die Religion der Britten war eines der betraͤchtlichſten Stuͤcke ihrer Regierungs-form; und ihre Prieſter, die Druiden, beſaßen ein großes Anſehen unter ihnen. Auſ-ſer der Bedienung des Altares, und der Beſorgung der uͤbrigen Pflichten der Religion,hatten ſie auch die Aufſicht uͤber die Erziehung der Jugend; ſie waren frey von allenKriegsdienſten und Auflagen; ſie hatten eine buͤrgerliche und peinliche Gerichtsbarkeit;ſie entſchieden alle Streitigkeiten, ſowohl unter den Staͤnden, als unter Privatperſo-nen, und wer ſich wegerte, ſich ihrem Ausſpruche zu unterwerfen, wurde mit den ſchwer—ſten Strafen belegt. Er wurde in den Bann gethan, ihm wurde der Zutritt zu denOpfern, und dem offentlichen Gottesdienſte unterſagt; er war aller Gemeinſchaft mitſeinen übrigen Landsleuten, ſelbſt in den gemeinen Geſchaͤfften des Lebens, beraubt;ſeine Geſellſchaft wurde, als profan und gefaͤhrlich, vermieden; die Geſetze verſagten ihmihren Schutz t); und der Tod ſelbſc wurde fuͤr einen ſolchen Elenden eine erwuͤnſchteZuflucht, ſeiner Schande zu entgeden. So thaten die Schrecken des Aberglaubens diegluͤckliche Wirkung, die Bande der Regierungsform zu beveſtigen, welche fuͤr ſich ſelbſtunter dieſem rohen und unruhigen Volke loß waren.
Keine Art von falſcher Religion iſt ſchrecklicher geweſen, als diejenige, welche dieDruiden lehrten. Außer den harten Strafen, welche die Geiſtlichen in dieſer Weltauflegen konnten, lehrten ſie auch die ewige Seelenwanderung, und breiteten dadurchihr Anſeben ſo weit aus, als die Furcht ihrer leichtglaͤubigen Sklaven. Sie begien-gen ihre Gebraͤuche in dunkeln Hainen, oder andern geheimen Oertern 8), und umihre Religion geheimnißvoller zu machen, lehrten ſie ihre Saͤtze bloß den Eingeweiheten,und verboten aufs ſtrengqſte, ſie ſchriſtlich abzufaſſen; damit ſie nicht einſtens der Un-terſuchung des unheiligen Poͤbels ausgeſtellet ſeyn moͤchten. Sie hatten den Gebrauch,Menſchen zu opſern. Die Beuten des Krieges wurden oft ihren Gottheiten geweihet,und diejenigen mit den grauſamſten Martern belegt, welche ſich unterſtunden, das geringſtevon dergleichen geweibeten Sachen unterzuſchlagen. Sie verwahrten ihre Schaͤtze in denWaͤldern und Gehoͤlzen, ohne alle andre Wache, als das Schrecken ihrer Religion h),
A 2 undb) Diod . Sic. L. 4. Mela Lib. 3. Cap. 6. e) Tacit. Agr.Sraho Lib. 1.) Cueſun Lib. G. Frabo Jib. 4.e) Dion. Cuſſius Lib. 75. g) Plin. Lib. 12. Cap. 1,
d) Cacſur Lib. 6. h) Cacſur Lib. 6.