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Erster Band.
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Geſchichte von England. Kap J. 9

ſie den Einwohnern dieſen letten Dienſt erwieſen hatten, nahmen ſie ums Jahr 488von Britannien Abſchied, nachdem ſie beynahe vier hundert Jahre den beſten Theildeſſelben beſeſſen hatten.

Die Britten.

ie niedertraͤchtigen Britten hielten dieſes Geſchenk ihrer Freyheit fuͤr ein Ungluͤck.

Sie waren nicht im Stande, den weiſen Rath, welchen die Roͤmer ihnen gege-

ben hatten, zu ihrer eigenen Vertheidigung die Waffen zu ergreifen, in Ausuͤbung

zu bringen. Der Gefahren des Krieges, und der Sorgen einer buͤrgerlichen Regierung gleich ungewohnt, waren ſie unfaͤhig, die geringſten Maas regeln zu ergreifen, um ſichden Einfaͤllen der Barbaren zu widerſetzen. Hierzu kam noch, daß die beyden Roͤmer,Gratian und Conſtantinus , kurz vorher den Purpur in Britannien angenommen, unddie Bluͤthe der. britiiſchen Jugend nach dem veſten Lande uͤbergeführet hatten. IhreVerſuche, ſich des kaiſerlichen Thrones zu bemaͤchtigen, liefen unglücklich ab, ſie kamen um, und entbleſßßten zugleich die Intel von denen, welche bey dieſen verzweifeltenUnnſtaͤnden am geſchicktetten waren, see zu veriheidigen. Nachdem die Roͤmer Britannien verlaſſen hatten, ſahen die Picten und Scoten dieſes Land fuͤr eine gewiſſe Beutean, und erneuerten mit verdoppellen Kräften ihre Angriffe auf die noͤrdliche Mauer.Die Britten, welche ſchon unter ihrer Furcht erlagen, ſahen die Mauer nur fuͤr eineſc wache Vertheidigung an, flohen von ihren Poſten, und ließen das ganze Land denStreifereren des Feindes offen. Die Feinde brachten Verderben und Verwuͤſtung,wehin ſie kauen, und trieben ihre angebohrne Grauſamkeit aufs Aeußerſte, ohne ſichdurch den huͤlftoſen Zuſtand der Einwohner, oder durch ihr demuͤthiges Betragen erwei-chen zu laſſen). Die ungluͤcklichen Britten nahmen zum drittenmal ihre Zuflucht zuden Roͤmern, ungeachtet ſie ihnen ihren Entſchluſt, ſie zu verlaſſen, erklaͤrt hatten.Aetius , der Patricier, hielt noch damals durch ſeinen Heldenmuth und ſeine Tapferkeitdie wankenden Ruinen der Republik aufrecht, und belebte auf eine kurze Zeit unter denausgearteten Roͤmern den Muth, und die Kriegszucht ibrer Vorfahren.

Die brittiſchen Abgeſandten uͤberreichten ihm das Schreiben ihrer Landsleute, welches zur Ueberſchrift hatte: die Seufzer Britanniens. Der Innhalt des Briefes kammit der Ueberſchrift uͤberein. Von der einen Seite, ſagten ſie, jagen die Barbaren uns ins rer, von der andern wirft das Meer uns zu den Barbaren zuruͤck, und wir haben nur noch die ungluͤckliche Wahl, ob wir durchs Schwerd,oder in den Wellen umkommen wollen:). Aber Aetius war durch die Waffendes Attila , des fuͤrchterlichſten Feindes, den das roͤmiſche Reich je gehabt hat, zu ſehrin die Enge getrieben, um die Klagen ſolcher Bundsgenoſſen hoͤren zu koͤnnen, denener doch nur aus einem Triebe der Großmuth wuͤrde beygeſtanden haben»). Die ab-gewieſenen Britten wurden zur Verzweiflung gebracht, verließen ihre Wohnungen, und

den

5) Gicelas, Bede, Lib. I. Ann. Beverl. S. 45. u) Chron. Sax. S. 11. Edit. 1692.t Gililus, Beile, Lib. I. Cap. 13. Miliresbu-7j Lib. 1. Cap. 1. Bever. S. 45.

Hume Geſch. v. Großbrit . III. Theil. B

A. D 418.