6
G. Zoegas
grössten Erwartungen erregen müsse, weil der Boden nungrösstentheils umwandert und abgesteckt und die Hauptstra-ssen geebnet waren, so gründen sich zugleich noch weitgrössere auf die ganze Bildung des Verfassers, welcher selb-ständiges historisches Studium bis zu einer grossen Höheund den Sinn für das Verständniss des Antiken bis zu einergrossen Feinheit gebracht hat. Eine in der That eben soerfreuliche als seltene Erscheinung.
Denn wo sind die so häufig zu finden die den unum-gänglichen langen Weg der Kenntnisse giengen und das le-bendige Gefühl der freien, nicht einseitig entwickelten, stamm-kräftigen Natur des Alterthums und des daraus entblühtenGeschmacks im Leben und im Bilden zugleich in sich tragen,die, wohin sie nun ankommen, darin zu leben im Standesind als in ihrer Heimath, leicht, ungezwungen und thätig,die das menschliche Wesen wie es auf dem grossen Sarko-phage der alten Welt in einer unvergleichlichen Gestalt zumAndenken abgebildet ist, recht mit den Blicken umfassenmögen, in allen originellen und unbeengten Hauptformen, inallen feinen Zügen des Sinnes und der Empfindung, die inseinem Jubel und seiner Melancholie, in seinem Stolz undseinem Resigniren, in seiner Ruhe und seiner Lebendigkeit,in seinem Geist und seiner warmen Leidenschaft, in seinemEnthusiasmus und in seinen Spielen mit Kindern die Einheitausfinden die das Ganze verständlich und anziehend macht?Gehört doch lange Zeit dazu und gemüthliches Leben dassman ein schönes Werk das vor unsern Sinnen in fröhlichemLichte lebt, in seiner ganzen Entwicklung und Vollendungfasse, und jenes Riesenbild stehf, verletzt an vielen Stellen,in der dunkeln Halle worin es die Gelehrsamkeit aufbewahrt.
Doch statt zu entwickeln wie selten ein vortrefflicherantiquarischer Schriftsteller auch nur zu erwarten sey, istes bei dieser Gelegenheit natürlicher, indem wir einen vor-trefflichen vor Augen haben und diess neue Werk von ihmzur vorläufigen Kunde bringen wollen, Einiges anzudeuten