Die Wulh des Thrakiscben Lykurgos . 101
einer Dienerin des Hauses in die Arme gesunken ist) auchnicht für den Sohn des Wüthenden zu halten. Diess istsicher, weil der Künstler sonst die Strafe als etwas der Thatvorausgegangenes dargestellt hätte. Aber um den Jünglingfür etwas Anderes zu halten als den Sohn könnte es nichthelfen Beispiele von männlichen Figuren in rein menschlicherGestalt in Bacchischen Vorstellungen anzuführen, wenn auchbessere da wären als die welche ich vorhin schon ablehnte.Denn dass Lykurgos bei der Erscheinung des Dionysos ir-gend einen namhaften Knaben oder, wenn man die Figurgleich jener angeblichen Mänade Ambrosia collectiv nehmenwollte, eine Schaar von Jünglingen getödet habe, davon weissdas Alterthum nichts. Nicht einmal wird gesagt dass dasVolk des Lykurgos sich zu dem Dienst des Gottes heran-drängte, wie nach den Metamorphosen (3, 528) die Unter-thanen des Pentheus thaten.
Die Verlegenheit steigt, die nachtheiligen Folgen einesersten Irrthums mehren sich. An einer andern Vase, diesich in Neapel befindet und noch unherausgegeben seyn soll,genannt bei Jorio Real Museo Borbon. Galleria dei Vasi p. 78,ist vorgestellt Lykurgos und ein Jüngling welchen er mitseinem Beil bedroht. Zannoni weiss nicht ob er den Sohn,der aber wohl doch auch als Barbar bezeichnet seyn müsse,oder den Dionysos selbst erkennen soll. Die Vase scheintdieselbe welche sich bei Dubois Maisonneuve tav. 53 gesto-chen findet*), und dann ist nichts gewisser als dass nichtDionysos gemeint ist, knieend in Todesangst vor dem Beil.Es ist beigeschrieben AYK0Pr02, nach Zannoni AY-KOOPrOS, und hinter dem Knaben ist nur noch eine Säule.Die Darstellung ist ins Kurze gezogen oder aus einer grö-sseren nur dieses Figurenpaar aufgenommen: Lykurgos tö-det den vergeblich flehenden Sohn, wie sonst auch vorkommtdass er allein dessen Mutter ermordet.