Buch 
2 (1850) Basreliefe und geschnittne Steine / erklärt von F. G. Welcker
Entstehung
Seite
173
JPEG-Download
 

Des Amphiaraos Aufnahme in die Erde. 173

Stelle gründlich entschieden werden kann. Die Platte ist 4Palm 3 Zoll breit, 3 P. 3 Z. hoch, eingefasst mit einemschmal vorspringenden Rande, der auf den Seiten mit einergebälkähnlichen Verzierung an den obern Theil sich an-schliesst; unten springt in der Milte ein breiter Zapfen vor,der bei dem Einziehen der Tafel in eine Wand zur Befe-stigung diente. Ganz dasselbe habe ich an mehreren Mar-morn und namentlich auch an einem kleineren Relief, etwaeinen Fuss hoch und etwas länger, in der Sammlung des Hm.Borreil in Smyrna gesehen, das eine sitzende Gottheit undein Ehepaar mit einem Diener vor ihr stehend darstellt, einVotivrelief also. Vermuthlich bildeten eine Reihe von Plattengleicher Grösse, die einen geschlossenen Kreis zusammen-gehöriger Darstellungen enthielten, ein Ganzes zur Verzie-rung eines bestimmten, und zwar eines geweiheten, nichteines zu einem Privathaus gehörigen Raumes.

Die dargestellte Scene kann denen welche von denmythischen Personen und von den Monumenten sich eineUebersicht erworben haben, nicht zweifelhaft seyn und ichwerde daher mit einer vorläufigen Erörterung, warum keinandrer Heros als Amphiaraos mit seinem Wagenlenker Baton,und warum gerade diese hier zu erkennen seyen, den Le-ser nicht aufhalten. Amphiaraos war, wie ich vor Jahrenausführlich zu erweisen gesucht habe 1 ), der Hauplheld deralten, dem Homer selbst beigelegten Thebais, die daher auchunter .dem Namen des Amphiaraos Ausfahrt ( A^iaqäoveJ-iXaoie, i^sXaoia) angeführt wird. Er erkannte als Seherdass die Zeichen des Zeus wider den Krieg gegen Thebenseyen, warnte vergeblich, wurde wider seinen Willen mitfortgezogen und ward als das ganze Bundesheer mit seinenAnführern, ausgenommen den Adrastos selbst, vor Thebenzu Grunde gieng, allein lebend in die Erde aufgenommen,so dass in seiner Person die Einheit des Epos lag. Darum

1) Der epische Cyclus Th. 1 S. 198. [TJeber das Gedicht selbstep. C. Th. 2 S. 320 ff.].