Buch 
5 (1864) Statuen, Basreliefe und Vasengemälde / erklärt von F. G. Welcker
Entstehung
Seite
356
JPEG-Download
 

356 Die grosse Dariusvase in Neapel .

dann die Chimära bekämpft und umdrängt von den Lan-desbewohnern. Am Hals ist vorn ein äusserst lebhaftesund an neuen kräftigen Gestalten des AngriiTs und desUnterliegens reiches Amazonengefecht, und hinten, nichtscena dionisiaca, sondern eine Telete jener verdächtigenArt, eine der Scenen, die, aus dem religiösen Leben derGegenwart genommen, so häufig mit den mythischen, wiezur Ausfüllung des Raums hinzugenommen zu werden pfle-gen, ähnlich wie auch gymnastische Gruppen.

0. Jahn , der in Gerhards Archäol. Zeitung 1860 S. 4143 von neuem über dieses Gemälde schrieb (nach E. Cur-tius das. 1857 S. 109116), macht schätzbare Bemer-kungen über die IliQaai, f[ avv&mxot und die Phönissen desPhrynichos und dessen Hinneigung zu Stoffen der Neuzeit.Weniger kann ich seiner Meinung seyn hinsichtlich desVerhältnisses unseres Gemäldes zu dem Dichtwerk: nichteine Scene aus des Phrynichos Persern glaubt er darge-stellt, wofür es auch schwer seyn möchte nur einen Schein-grund zu ersinnen, sondernhier, sagt er, wie in sovielen andern Fällen hatte der tragische Dichter dadurchdass er den Stoff poetisch durchdrungen und gestaltethatte, der bildenden Kunst vorgearbeitet und dersel-ben ihre Aufgabe erleichterte. Dass die Grossthat derGriechen mehr noch durch die Dichter, Phrynichos, Ae-schylos, Chörilos, Pratinas als durch Herodot und durchdie mündliche Tradition im Andenken der Menschen er-halten und immer mehr gehoben worden sey, kann mangern zugeben ohne darum sich die Aufgabe zu stellenerrathen zu wollen, durch welchen Erzähler eines so welt-bekannten Krieges und Siegs ein einzelner Künstler zueiner Darstellung veranlasst worden sey. Dazu kommtdass dass das Gemälde nichts Dramatisches enthält, son-dern dagegen desto mehr eigenthümlich Künstlerisches.