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1 (1762) Die Regierungen Jakobs I. und Carls I / David Hume
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80
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1627.

80 Geschichte von Großbritannien.

chie aufzurichten. Die Militz war zu dieser Absicht bey weiten nicht so gut, als eine or-dentliche Armee, ob sie gleich der königlichen Gewalt weit günstiger war, als der Ver.fassung der Lehre; und wenn sie dem Volke die Freyheit nicht erhielt, so erhielt sie w«,nigstens die Macht, sie wieder zu erlangen, wenn sie ja einmal verfallen sollte.

Aber die Liebe zur Freyheit war damals so schwach, dast Elisabeth, die letzte vondieser eigenmächtig herrschenden Linie, die selbst eben so eigenmächtig regierete, den-noch die berühmteste, und bey dem Volke beliebteste Prinzessinn unter allen Fürstenwar, die jemals den Thron von England besessen hatten. Es war natürlich, daß Ja-kob das Regiment so annahm, wie er es fand, und die Maasregeln fortsetzte, die erso sehr rühmen hörete. Seine Einsicht gieng nicht so weit, daß er entdecken sollte, daßweder seine Umstände, noch sein Charakter eine so weitlaufrige Gewalt erhalten konn-ten. Seine kleinen Einkünfte und schlechte Sparsamkeit fieng itzt an, ihn von sei-nem Volke abhängig zu machen, so gar in dem gemeinen Lause der Regierung. Diezunehmende Einsicht entdeckete dem Volke den Vortheil, den es erhalten hatte; undmachte, daß es den unschätzbaren Werth der bürgerlichen Freyheit erkanntes Und weiter zu wenig Ansehen besaß, sich in Ehrfurcht zu sehen, und zu viel Güte, sich furcht-bar zu machen, so entdeckte sich täglich in den Parlamenten ein neuer Geist; und in demHause der Gemeinen bildete sich ordentlich eine Partey, die ein freye Staatsversassungwünschete.

Aber dieser Vortheile ohngeachtet, die man für die Freyheit gewonnen hatte, wardoch die königliche Gewalt so groß, und in allen ihren Theilen so wohl bevestiget, daß,aller Wahrscheinlichkeit nach, die Patrioten dieser Zeit den Muth würden verlohren ha-ben, derselben immerzu widerstehen, wenn sie nicht durch Bewcgungsgründc der Re-ligion getrieben waren, die einen Muth einflößen, den kein menschliches Hindernißüberwinden kann.

Eben die Verbindung, die allzeit zwischen der königlichen Gewalt undder geistlichen Macht gewesen ist, war nun völlig in England aufgerichtet; und in-dem der Prinz den Geistlichen beystund, die Stifter der Sekten, und Neuerer zu un-terdrücken , so prägten hinwiederum die Geistlichen mit allem Eifer die Lehre von derunbcdinglichen Unterwerfung und dem Gehorsam gegen die weltliche Obrigkeit ein.Das Genie der englischen Kirche, welches der Monarchie so sehr ergeben war, beför-derte diesen Bund: ihre Unterwerfung unter der bischöflichen Gerichtsbarkeit, ihreNeigung für die Gebrauche, die Ordnung, und einen anständigen Pomp und Prachtdes Gottesdienstes, und mit einem Worte, ihre Aehnlichkeit, welche sie dem knechtischenAberglauben den Katholiken mehr näherte, als der wilden Schwarmcrey der Puri-taner.

Hingegen war der Widerstand wider die Kirche, und die Verfolgungen, worun-ter sie litten, zureichend, die Puritaner auf die Seite der Landpartey zu ziehen, undpolitische Grundsätze zu erzeugen, die den hohen Ansprüchen des Königes nicht sehr gün-stig waren. Auch der Geist der Schwärmerey, der kühn, verwegen ist, und keinen Zü-gel leiden will, machte ihre Gemüther sehr geneigt, republikanischeLchrbegriffe anzuneh-men; und verleitete sie, in ihren Handlungen und Betragen mit eben derselbenFreyheit zu pralen, die sie in ihren Entzückungen und erhabener Andacht annah-men