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Fragmente über Friedrich den Grossen zur Geschichte seines Lebens, seiner Regierung, und seines Charakters / von dem Ritter von Zimmermann
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116
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Als Haller diesen Brief von Maupettüis er-hielt, wohnte ich bey ihm in seinem Hause in Göt-ttngen. . Ganz deutlich und lebhaft erinnere ichmir, welchen Eindruck dieser Brief auf ihn machte,und die Worte zumal, mit denen ihm Mauper-tüis zu verstehen gab: »der König werde ihn ofti,rufen lassen, und ihn mit Voltaire und denübrigen Herren in seine Abendgesellschaft auf.nehmen.«

Unglaublich wirkten alle diese Vorschlage undAussichten auf Haller. Sie huben Ihm die Seelewie ich seitdem kaum eine Seele von der bessern,Art gehoben sah. Weg warf der König aller deut-schen Gelehrten für eine Weile alle seine Folianten,alle seine Anatomie und alle seine Botanik. Erbeschäftigte sich mit nichts als schöner Litteratur,und hatte den ganzen Tag hindurch die witzigstenEinfälle. Aber bisweilen fielen ihm dann dochauch die unchrtstlichen Abendstunden und Abend-feste zu Potsdam und Sanssouci aufs Herz. Ererzählte mir, wie man damals hiervon und vondem ganzen Privatleben des Königs in Berlinsprach: und damals sprach man in Berlin völlig,pünktlich und buchstäblich so, wie Voltaire seitdemin seiner lügenhaften Vie privös 6e kreöeric.Seine Uebermacht über Voltaire in den wissen-schaftlichen Fächern der schönen Litteratur, und seineeigenen mehr umfassenden Geisteskräfte schien Hal-ter zwar wohl zu fühlen. Er hatte viel weiterumher und tiefer, nach allen Quellen menschlicherWissenschaft gegraben. Er war mit der Geschichte

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