Band 
Zweiter Band.
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zelten noch vergrößern, und eine außerordentliche Vermin-derung des Effektivstandes herbeiführen.

Die tyrannische Behandlung, welche von den russischenChefs angenommen ist, liefert ebenfalls ihren Beitrag zudieser Sterblichkeit. Die Selbstmörder sind dort zahlreich;ihrer waren im Jahr 1822 600, und hatten sich seitdem ingrausenerregender Steigerung mit jedem Jahr um 200 ver-mehrt.

Die Ruhe beider Armeen wurde nur durch einige unbe-deutende Scharmützel auf der Seite von Zamosc gestört, sowie durch eine Streiferei, welche die Garnison dieses Pla-tzes nach Wolhynien ausführte. Sie überfiel in Uscilugzwei Bataillone des russischen Depots, welche sich daselbstin Bildung befanden, und vernichtete sie fast gänzlich. DiePlätze Zamosc und Modlin waren zur Uebergabe aufgefor-dert worden; die Generale Sierawski und Ledochowski, Gou-verneure dieser Plätze, hatten diesen Aufforderungen als wür-dige Polen geantwortet. Ein anderes Scharmützel hatte,im Lauf des Monat März, im Angesicht Warschaus Statt.Der polnische Oberst Miller wurde dabei verwundet, undder Oberst Blendowski, gefährlich getroffen, auf dem Schlacht-felde verlassen und von den Russen zum Gefangenen gemacht.

Dieser brave Offizier, der von Volhynien herbeigeeilt war,um sich unter die Fahnen der Unabhängigkeit zu stellen,kam in Gefahr, erkannt und als rebellischer Unterthan be-handelt zu werden, da die Russen einen Unterschied zwischenden Bürgern des Königreichs Polen und denen der russisch-polnischen Provinzen machten. In die Hände des GeneralsGeißmar, dessen Korps in seinen Gegenden kantonnirt ge-wesen war und der ihn persönlich kannte, gefallen, befander sich in einer bedauernswürdigen Lage; aber Geißmar be-wies sich edelmüthig; er behandelte seinen Gefangenen mitAuszeichnung, ließ seine Wunden verbinden, und ermächtigteihn, ohne zu verrathen, daß er wisse, wer er sey, sich nachWarschau bringen zu lassen.