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Ueber Cometen und Cometen-Aberglauben : ein populärer Vortrag den 22. Januar 1857 zu Zürich gehalten
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hungsweise der Cometen, zu welcher Kepplers Zeitgenosse, SimonMarius , der glückliche Entdecker der Jupiterstrabanten und des gros-sen Nebels in der Andromeda, Veranlassung gab. Durch JohannesFabricius auf die Sonnenflecken aufmerksam gemacht, beobachtete ersie eifrig, und da fiel es ihm einerseits auf, dass er mehrmals in derSonnemaculas caudatas wahrnahm, welche ganz die Gestalt vonCometen hatten, anderseits, dass er in dem grossen Cometenjahre1618 auffallend wenige Flecken in der Sonne wahrnahm. Er theiltees mit 7 , fügte aber ganz bescheiden bei:Ich erinnere es nur, undschliesse nichts. Ich hab mich die zeit hero, als von Anno 1611sehr mit gedanken bemühet, was doch solche maculae seyn, oderwoher sie entstehen möchten, hah aber noch zur zeit keine gedan-cken gehabt, darauf! ich sicherlich beruhen könnte. Andere warenjedoch nicht so bescheiden, sondern schlossen keck, dass die Sonnen-flecken Unreinigkeiten seien, dass die Sonne diese von Zeit zuZeit auswerfe um dann wiederhefftiger zu brennen wie ein gebutz-tes Kertzenliecht, und dass die Cometen nichts anderes seien alssolcher Auswurf.

3. Aelterer Cometen-Aberglauben.

So lange Alles seinen gewohnten Verlauf hat, sagt Seneca 8 ,verliert das Grosse der Ereignisse durch die Gewohnheit .... Undso bringt jene Schaar von Gestirnen, die den unermesslichen Him-melsbau so herrlich schmücken, kein Zusammenlaufen der Leute her-vor. Aber wenn an dem gewohnten Gang etwas verändert ist, dagafft Alles den Himmel an. Die Sonne sieht kein Mensch an, es seydenn, dass sie verfinstert ist. Den Mond beobachtet keine Seele,ausser wenn er verdunkelt ist ... . Das Wichtigste beobachtet mannicht, so lange es regelmässig ist. Tritt aber eine Unregelmässigkeitein, oder lässt sich etwas Ungewöhnliches sehen, da ists ein. Gaffen,ein Fragen, ein Hinaufzeigen! So sehr liegts in unserer Natur, mehrdas Ungewohnte anzustaunen, als das Grosse. Das ist denn auch derFall bei den Cometen. Wenn eine solche seltene und ungewohnt ge-staltete Feuererscheinung sich zeigt, da will Jedermann wissen, wasdenn das sey, und alles andere vergessend, fragt man nur nach demneuen Gast, und weiss nicht, soll man ihn bewundern oder fürchten.

Hält man mit diesen, noch heut zu Tage volle Geltung habenden

7 ) Beschreibung des Cometen von 1618. Nürnberg 1619. 4.

*) Naturbetrachtungen. Buch 7.