Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

Vorbereitende Kpoelie.

105

Vorbereitende Epoche.

Primitiv Dorisches.

Die neue Entwickelung des griechischen Lehens, die Ge-staltung einer neuen und eigcnthiimlichen Kunst konnte abernur sehr allmählig erfolgen. Die nationalen Schwankungen,deren Einfluss sich weithin gen Westen und Osten erstreckte,erscheinen als sehr bedeutende und längere Zeit andauernde.Die dorischen Stämme brachten keine, schon irgendwie höherausgebildetc Cultur mit; die Entfaltung einer solchen konnteerst nach Feststellung der äusseren Verhältnisse beginnen. DasErbe der Vorgefundenen pelasgischen Cultur war dabei, sofernes auf die Gewinnung von Formen ankam , welche dem neuenVolksgeiste entsprachen, vielmehr ein llcinmniss, welches auchgeistig überwunden werden musste, als ein förderndes Element.Jahrhunderte mussten hingehen, ehe die neue — die hellenischeKunstepoche in ihrer Selbständigkeit hervortreten konnte.

Das zunächst Wesentliche und Kigcnthümliche in monu-mentaler Beziehung, was die Dorier einführten, war ein Tempel-bau mit Säulen (mit säulengetragener Vorhalle). Dies liegtschon im Begriff der ausdrücklich so genannten dorischen Bau-weise, in dem, was auch in ihrer späteren reicheren Ausbildungals das ursprünglich Bedingende erscheint. Ohne Zweifel wares ein einfacher Holzbau, wie dieser bei einem, im Uebrigcnculturlosen Bergvolk vorauszusetzen ist. Reste uralten Holz-Säulenbaues der Art, welche sich noch in der Spätzeit des Altcr-tliums im Peloponnes erhalten hatten, wurden vorzugsweise derEpoche der Einwanderung der Dorier zugeschrieben und mitden Ereignissen derselben in Verbindung gebracht. Die Naturder Sache und die historische Analogie führen dahin, den ältestendorischen Tempelbau, was das Allgemeine seiner äusseren Er-scheinung anbetrifft, (und abgesehen von den Erfordernissen desreligiösen Rituals) als dem etruskischen verwandt anzunelunen.

Auch das Götterbild, welchem dieser Tempel als Wohnungzugewiesen ward, war eine einfache Schnitzarbeit aus Holz. DieSchriftsteller des Alterthums gedenken nicht selten der form-losen Beschaffenheit solcher Arbeiten und der Heilighaltung,welche sie ihrer urthümlichen Erscheinung verdankten. DieMythengeschichtq. der Kunst lässt sie in der Regel durch D ä-dillos (den im Uebrigen die athenische Kunstgeschichte für sichals Ahnherrn in Anspruch nahm) gefertigt werden. KindlicherSinnesrichtung gemäss wurden sie, je nach den Erfordernissender einen oder andern Festfeier, mit Gewandungen mancher Artund mit Schmuck versehen.

Der Eintritt reicherer Lebensbedürfnisse musste zur dekora-tiven und bildnerischen Ausstattung der einfachen Tcmpelanlage

Kupier. II;imlbucli der Kuuntgcschiehte.