Band 
Zweiter Band.
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Allgemeine Bemerkungen.

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musste. So sahen sich die Meister der nordischen Kunst nach-mals allerdings genöthigt, bei den Italienern förmlich in dieLehre zu gehen und von ihnen die ausgebildeten Kunstformenzu entlehnen.

Es ist bereits früher bemerkt worden, dass das 15. Jahrhun-dert diejenige Periode bezeichnet, in welcher man, mit zum Theilgrosser und bedeutender Kraftanstrengung, dahin strebte, für dieneuerwachte Sinnesrichtung die entsprechende Form zu finden,d. h. überhaupt die körperliche Form und mit ihr zunächstalle diejenigen Interessen, die sich durch die körperliche Existenzund durch körperliches Handeln bethätigen durchzubilden.Es hat somit diese Periode einen vorherrschend realistischenCharakter. Gleichwohl erscheint derselbe, einzelne Ausnahmenabgerechnet, nicht einseitig vorherrschend. Schon die Emsigkeitund Sorgfalt des künstlerischen Strebens, das in solcher Richtungauf die möglichste Vollendung hinausging, das also eine liebe-volle Theilnahme von Seiten des schaffenden Künstlers voraus-setzte, musste auch auf das Werk selbst übergehen und demsel-ben ein mehr oder weniger sinniges Gepräge geben. Dann war,ob auch der architektonische Sinn bereits beträchtlich abgeschwächterscheint, doch von demselben noch immer soviel erhalten, dassman dabei zugleich eine stylgeinässe Behandlung erstrebte, welcheebenfalls das Kunstwerk mehr oder weniger über die Sphäretrivialer Naturnachahmung erhob; im Verlauf des 15. Jahrhun-derts zeigt sich diese Stylistik oft sogar noch in ziemlich herberWeise. Endlich war es natürlich, dass der Realismus der Zeitin einzelnen Erscheinungen auch eine gewisse Opposition her-vorrufen musste; und wie wir z. B. in Florenz , während dieseRichtung mit Entschiedenheit eintrat, den Fra Giovanni da Fie-sole ebenso entschieden an der älteren , mehr spiritualistischenRichtung festhalten sehen, so entwickelt sich auch im weiterenVerlaufe des Jahrhunderts aus der allgemein vorherrschendenSinnesweise mehrfach wiederum das Streben nach dem Ausdruckeines zarteren, innerlichen Gemüthslebens.

Der italienischen Kunst dieser Zeit ist im Allgemeinen einegewisse Grossheit des Sinnes eigen, welche dem Studium derAntike ihre vorzüglichste Nahrung verdankt. 1 Dies Studiumträgt, wie bereits angedeutet, wesentlich dazu bei, jene Neigungzu einer stylgemässen Durchbildung der Form wiederum tieferzu begründen. Die Unterschiede, welche sich hierin vorfinden,sind zunächst durch die verschiedenen Schulen und durch die

1 Der Ueberarbeiter glaubt dies einigermaassen beschränken zu müssen.Bei näherer Untersuchung erstaunt man eher darüber, dass die ital. Kunst des15. Jahrhunderts von dem Alterthum, das sie kannte und verehrte, verhältniss-mässig so wenig bestimmt und bedingt worden ist. Insbesondere jene j,Gross-heit des Sinnes ist wohl dem damaligen italienischen Lebensgeist von Hauseaus eigen und schon in der Schule Giottos vorhanden gewesen. B.