Band 
Zweiter Theil, Zweite Abtheilung.
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China , über die Verschwörungen wider den Kai-ser, und über die nicht längst Statt gehabte Ver-folgung der Christen mirtheile, können indef*wohl einiges Interesse haben. Auch habe ich esnicht für ganz überflüssig gehalten, eine kurzeÜbersicht des Europäischen Handels in Canton zugeben, und meine Meinung darüber, in wiefernHufsland Theil an diesem gewinnvollen Handelnehmen kann, zu äufsern.

China hat das, wie mir scheint, sehr unver-diente Glück gehabt, der Gegenstand einer weitverbreiteten Lobpreisung und grofsen Bewunde-rung zu werden. Die Weisheit und tiefe Poli-tik der Regierung, die hohe Moralität des Volks,seine Industrie, ja sogar die wissenschaftlichenKenntnisse dieser Nation, sind von den Jesuiten in ihren Schriften über dieses Land hoch geprie-sen worden. Vieles mag in China lobenswerthseyn ; die Weisheit der Regierung und die Mo-ralität des Volks sind aber, so günstig und be-hutsam man auch urtheilen möchte, wohl mehrtadelns- als lobenswerth. Die Regierung ist wiebekannt im ausgedehntesten Verstände despo-tisch, und eben deswegen nicht immer weise.Ihr despotischer Geist erstreckt sich stufenweisevom Throne bis auf die geringsten llegierungs-beamten. Das Volk seufzt unter dem Druckedieser niederem Tyrannen. Die Selbsterhal-tung zwingt Viele, das moralische Gefühl häufigzu verlaugnen, und dadurch allein kann die sitt-liche Verdorbenheit der Chinesen einigermarsen