r, Betrachtungett
das Leben erwerben lassen, soll selbst zn seinerVerdammung beytragen, soll selbst Menschenverstockcn, daß sie nicht Buße thun— Diesist so widersprechend, daß viele Lehrer sich be-mühet haben zu behaupten: Gott verstecke nichtwirkender, sondern nur zulassender Weise. Al-lein, einmal kann diese Auslegung nicht beste-hen, weil es in den angeführten Stellen mitklaren ausdrücklichen Worten heißt, daß Gottverstecket, zweytens wird die Schwierigkeit da-durch nicht gehoben, denn der Anstoß ist ebenso groß, wenn Gott die Verstockung vorsch-lich zuläßt, das ist, hindern kann und nichthindert. Es ist ein gemeiner Fehler in der Aus-legung, daß wenn ein Vegrif Schwierigkeitenmit sich bringet, man nicht untersuchet, ob erselbst auch richtig sey, sondern ihn voraussetzt,und den Schwierigkeiten auf andere oft ge-zwungene Weise abhelfen will. So ist es auchbey der Verstockung ergangen, man hat ge-dacht : sie ist etwas Böses, und also muß mansie Gott nicht zuschreiben, sondern lieber denStellen der Schrift, die davon handeln, einegezwungene Erklärung geben; anstatt daß manhätte denken sollen, die Verstockung wird Gottin seinem Worte zugeschrieben, also ist sie nichtsBöses und der gemeine Begrif davon falsch.
Andere
»