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Ueber die Abhängigkeit des Copernicus von den Gedanken griechischer Philosophen und Astronomen : ein Vortrag, gehalten in der öffentlichen Sitzung des Copernicus-Vereins für Wissenschaft und Kunst zu Thorn am 19. Februar 1863 / von L. Prowe
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AuS all diesen Zeugnissen geht unwidcrleglich hervor, daß Co-pcrnicus weit davon entfernt gewesen ist, sein System in hypothe-tischer Umhüllung der Well zu überliefern. Furchtlos übcrgiebt er

dem Weltall beschäftigt, das so offenkundig in schönster Ordnung aufgestelltist, und durch göttliche Weisheit geleitet wird, wer sollte nicht durch diestete Betrachtung, fast möchte ich sagen durch den Umgang mit demselben,zum Höchsten angetrieben und zur Bewunderung des Baumeisters geführtwerden, der MeS geschaffen, In dem die höchste Glückseligkeit Ist, in demalles Gute gipfelt? Denn nicht würde der gottcrsülltc Pfalmist selbst singen,er sei entzückt in Gottes Schöpfung und frohlocke bei den Werken seinerHände: wofern wir nicht durch sie zur Anschauung des höchsten Gutengleichsam emporgetragcn würden. Wie sehr aber die Astronomie, um vonden unzähligen Vortheilen für den Einzelnen zu schweigen, dem Gemein-wesen zum Nutzen und zur Zierde gereiche, hat Plato sehr schön bemerkt,wenn er im siebenten Buche der Gesetze erklärt, man müsse sich ihr haupt-sächlich deßhalb widmen, auf daß durch sie die Zeit nach der Folge derTage zu Monaten und Jahren auch für den Zweck der Feste und Opfergeordnet, dem Staate Leben und Wachsamkeit verleihe; und wenn Jemand sagt er - meinen sollte, daß sie nicht nothwendig sei für den, derirgend eine von den edelsten Wissenschaften erlernen will, so würde die« einegroße Thorheit sein. Derjenige, meint Plato , sei weit davon entfernt, denNamen eines gottähnlichcn Mannes zu erhalten, der die Kenntniß vonSonne, Mond und den übrige» Gestirnen nicht für nothwendig erachte.Weiter ober ist diese mehr göttliche als menschliche Wissenschaft, welche überdie erhabenste» Gegenstände Untersuchungen anstellt, nicht frei von Schwie-rigkeiten, vorzugsweise deshalb, weil bekanntlich die meisten von denen, diesie zu behandeln unternommen haben, über ihre Grundsätze und Annahmen,welche die Griechen Hypothesen nennen, nicht einig sind und demzufolge sichauch nicht auf dieselben Gründe stützen; sodann auch weil man den Laufder Planeten und die Umwälzung der Gestirne nicht sicher zu berechnenund genau zu erkennen vermochte anders als mit der Zeit und nach vielenvorausgegangenen Beobachtungen, durch welche so zu sagen von Hand zuHand jene Kenntniß der Nachwelt überliefert wurde. Denn obwohl Clau­ dius PtolemäuS der Llerandriner, der durch bewundernswürdige Umsichtund Sorgfalt die übrigen weit überragt, mit Hülfe von mehr als vicrhun-dertjährigcn Beobachtungen diese Wissenschaft fast ganz zu ihrer Vollendunggeführt hat, so daß Nichts übrig zu sein schien, das er nicht berührt hätte: sosehen wir doch Vieles nicht übereinstimmen mit dem, was nach seinerTheorie hätte eintrete» müssen, da gewisse andere Bewegungen später ent-deckt wurden, die ihm noch nicht bekannt waren. Deshalb sagt auch Plu-tarch, wo er von der Wendung des SonncnjahrS spricht: bis jetzt siegt dieBewegung der Gestirne über die Einsicht der Mathematiker. Denn um dasJahr selbst als Beispiel zu nehmen, so ist Wohl, wie ich meine, allbekannt,