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Chronologische Uebersicht der Geschichte des preussischen Heers dessen Stärke, Verfassung und Kriege seit den letzten Kurfürsten von Brandenburg bis auf die jetzigen Zeiten / mit vielen erläuternden Zusätzen von F. v. Ciriacy
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wann in jeder Beziehung eine ungleich größere Wich-tigkeit denn je vorher. Die Bekleidung sollte dasAuge befriedigen und doch nur möglichst wenig kosten,ein scheinbarer Widerspruch, den Friedrich Wil-helm durch unermüvete Anstrengung zu heben ver-stand. Das Heer wurde auch bunt gekleidet, undgefiel in diesem Kostüm dem einheimischen Publikum,mit der Zeit auch dem auswärtigen. Das Uniform-wesen machte sich zu einem Gegenstände, woran Je-dermann Theil nahm, wovon man sich unterhielt,zu einer Tändelei die Wichtigkeit erlangte, und folg-lich bald mit Strenge verknüpft und gebandhabtward .'0Da man sich in der langen Ruhezeitmit nichts weiter mehr zu beschäftigen wußte, sowendete man die Aufmerksamkeit auf solche Sachen,die ins Gesicht fallen. Der Soldat niußte sein Ge-wehr sowohl als den Schaft glänzend machen, derReiter seinen Zaum und Sattel, ja selbst die Stie-feln. Die Mähnen der Pferde wurden mit Länderngeschmückt. Zuletzt artete die an sich nützliche Rein-lichkeit in einen lächerlichen Mißbrauch aus. Wennder Friede noch länger als bis zum Jahr 1740 ge-dauert hätte, so würde glaublichcrwcise der Gebrauchder Schminke und Schönpflastcrchen eingeführt wor-den seyn. Das Vornehmste im Kriege ward, wasvorzüglich zu bedauern war, ganz und gar vernach-käßigt, und unsere Beurtbeilungökraft durch die Be-schäftigung mit Kleinigkeiten täglich geringer-"^)Da zugleich neben der Putzsucht die höchste Oe-konomie vorwaltete, so wurde von dieser Zeit an dasMaterial zu den Bekleidungsstücken in geringererMenge und Güte als sonst geliefert. Die Mäntel

*) Verachtungen über die Kriegskunst :c.

") Lriedrich 11. Abhandlung über die Prcuß, KrlegSverfassung.