Band 
Erste Abtheilung.
Seite
257
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Getöse machkir die grauscnvollstc Wirkung. Bald wir- da«Schiff auf dc» Gipfel hoher Wellen geschleudert, bald stürztes zwischen Wogen, die daher als seine Masten sind, in Ab-gründe, und scheint durch ihr Zusammenschlagen überschwemmtwerden zu solle». Mit fürchterlichem Krachen stürzt dcr Fokmastüber Bord. Die Dekoffiziere schreyen und pfeifen gegen unddurcheinander, und mil Aexten eilen die Matrosen herbey, um dieStagcn, dieParduncn und Wandtaue abzuhaken und das übrigeverwikcltc Tauwcrk zu ljscn oder zu zerschneiden, damit dernachschleppende Mast nicht noch die hohe Gefahr vermehre,sondern forttreibe. Daß bey so drohenden Umstünden sowohlder SchiffSkapitän als die übrigen Offiziere zugegen sind undalle Schiffsmannschaft zur Thätigkeit anspornen, bedarf woblkaum einer Erwähnung: denn wer wollte der Ruhe oder Be-quemlichkeit wohl genießen mögen, wenn Las Schiff in sogroßer und augenscheinlicher Gefahr schwebt?

Es ist eine ansdrütlich auferlegte und beeidigte Pstichteines Seeoffiziers, und überhaupt eines jeden im Dienst derStaatS befindlichen Seefahrers: bis auf den lcztcn Augen-blik alle Kräfte zur Rettung des Schiffs anzustrengen, undim Falle solche unmöglich wäre, so ist der höchste im Range,oder der Befehlshaber eines jeden Schiffs, wäre es auch nurein Boot, auf seinen Eid, seine Verantwortlichkeit und seineEhre verpflichtet, der Allcrleztc am Bor- des sinkendenFahrzeuges zu bleiben.

Der Sturm dauert auch nach Andruck dcS Tages nochin seiner ganzen Heftigkeit fort, und macht die Anstalten zurBesegelung des Dordertheils des Schiffs theils unmöglich^theils überflüßig, weil man doch keine Segel boys'ten dürste.

sc