Einleitung.
I.i
Später sachte ein Gebäude derselben Art') bei uns das Studiumdieser hoben Theorien an: hier wurde nicht nur die Möglichkeit derAusführung des Doin's mit den vorgeschlagenen Mitteln bestricken"),sondern man behauptete auch, daß die "Pfeiler nicht die hinlänglicheStärke hätten, um das Gewicht der Kuppel auszuhalten. Obgleichdiesen Behauptungen, welche ihrem Urheber durch den Eifer, der ihnbei der Ausübung seines Standes auszeichnete, eingeflößt wurden,triftige Gründe fehlten, so trugen sie doch wesentlich zu den Fortschrittender Baukunst bei. Man zerstörte siegreich die Grundlagen, aus welcheseine Beweisgründe gestützt waren, und es wurde durch ganz neueErfahrungen, deren Resultat keine Ungewißheit übrig lassen konnte^),bewiesen, daß der Widerstand der Pfeiler, weit entfernt der Last nach-zugeben, die sie zu tragen hatten, im Gegentheil ihrem Drucke umvieles überlegen wäre. Dieser denkwürdige Umstand läßt uns denZustand der Architektur in einem so nahen Zeitabschnitt hinlänglichkennen lernen.
Diese gelehrten Untersuchungen breiteten das größte Licht über diewahren Grundsätze der Eonstruktion aus, und von nun an war manim Stande, die Ausgaben der Kunst mit denen der Theorie in Ueber-einstimmung bringen zu können. Man kam damals allgemein überein,daß der wesentliche Zweck vor allein darin bestünde, dauerhafte Ge-bäude aufzuführen, dabei eine richtige Anzahl von Materialien zuverwenden und sie mit Kunst und Sparsamkeit auszusuchen und zugebrauchen.
Es ist auch nur das Verdienst der Eonstruktion, welches in den
1) Die Kirche der heiligen Genovefa zu Paris .
2) Aufsatz gegen die Erbauung der vorgeschlagenen Kuppel zur Krönungder neuen Genovefenkirche, von Herrn Palte, Architekten des Herzogs vonZmeibrücken, Paris , 1770.
3) Herr Gauthey, Generalinspektor des Brücken- »nd Straßenbaues wi-derlegte in einem, im Jahre 1771, herausgegebenen Aufsatz den des HerrnPatte, und schloß mit dem Ansspruch, daß nicht nur die Pfeiler hinreichendwären, um die vorgeschlagene Kuppel zu tragen, sondern daß es möglichsey, sie wegzulassen, und nur die zwölf Säulen, die darunterstehen, beizubehalten. (Man sehe die Anmerkung am Ende des 5. Buchs.)Zu diesem Gebrauch erdachte er jene Maschine, um die Stärke der Steine zuprüfen, wovon die Herrn Soufflot und Peyronnel bei den ihnen anvertrautengroßen Arbeite» Gebrauch machten und die wir in der Folge abgeändert haben.
Anmerkungen des Verfassers.