Kenntniß der Baumaterialien; von den Lehmsteinen. 137
werk mit einer durchlaufenden Lage von zerbrochenem Schilfrohr, daSmit Stroh und Erdharz vermischt ist, bedeckt wurde: diese Lagen sindungefähr 1 Meter von einander entfernt, ihre Dicke betragt 1 Deci-mcter. An dem höchsten Theil dieser Ruinen zählt man fünfzigsolcher Lagen.
Die alten Aegypter haben ebenfalls große Denkmale von Lehm-steinen erbaut, die sich bis auf unsere Tage erhalten haben. Unge-fähr zehn Stunden oberhalb groß Cairo sieht man die Trümmer einervon Lehmsteinen erbauten Pyramide, von der man vermuthet, daß esdie Ruinen der von Herodot (2. Buch 136. Kap.) besprochenen seyen,welche von einem König von Acgypten, Namens Asychis, erbautwurde, der folgende Inschrift darauf graben ließ:
»Schätze mich nicht gering neben den steinernen Pyramiden; denn»ich übertreffe sie so sehr, als Zeus die andern Götter; denn ich bin»aus Lehmsteinen erbaut worden, die vom Schlamm aus dem Grund»des See's gemacht wurden.'"
Der Doktor Pocock, der die Ueberbleibsel dieser Pyramide imJahre 1738 umgangen und gemessen hat, fand, daß ihre Höhe unge-fähr 150 englische Fuß oder 45V„, Meter betrug, und daß ihre Grund-fläche ein Rechtes bildete, dessen lange Seite 210 Fuß oder 64 Meterund die kürzere 157 Fuß oder 47^/,,,° Meter betrug.
Die zu der Erbauung dieser Pyramide angewandten Lehmsteinesind aus einer Mischung von schwarzer und thonartiger Erde, vonkleinen Kieselsteinen, Muscheln und gehacktem Stroh zusammenge-setzt. Es giebt darunter von zwei verschiedenen Größen; die größerensind 38 Ecntimcter lang, 18 Eentimetcr breit und 12 Centimetcr dick;die kleineren 34 Ecntimcter lang, 16'/- Centimetcr breit und 10 Cen-timeter dick.
Die alten Griechen und Römer haben auch sowohl Privat- alsöffentliche Gebäude mit Lehmsteinen erbaut. Bitruv (2. Buch 8. Kap.)führt zum Beweise die Stadtmauer zu Athen an, die nach dem BergeHymettus zu lag; auch die Mauern des Tempels des Jupiters undHerkules, dessen Säulen und Gesimse von Stein waren: den Pallaftder Malischen Könige zu Tralles (in Italien ); die Palläste des Crö-sus zu Sardes und des Mausolus zu Halikarnaß.
Was die bei den Griechen und Römern im Gebrauch gewesenenLchmsteinc betrifft, so ist uns heut zu Tage sowohl über ihre Fabri-kation, als ihre Dimensionen kein anderer Aufschluß übrig geblieben,