Kenntniß der Baumaterialien; von dem Kalk. l69
war vielleicht die Folge des Brandes von irgend einem aus Kalk-steinen konstruirten Gebäude: man bemerkte, daß einige durch dieHeftigkeit des Feuers verkalkten Steine sich auflösten, wenn man,um den Brand zu löschen, Wasser darauf goß. Der erste Gebrauch,den man von diesem Materiale machte, war, wie Plinius und Vitruv berichten, Anwürfe zur Betünchung von Lehmsteinmauern daraus zu-sammen zu setzen, wie an den Pallästen des Krösus, des Mausolusund des Königs Attalus.
Von den Kalksteinen.
Die härtesten, schwersten und feinkörnigen Kalksteine geben ge-wöhnlich den besten Kalk: daher geben kalkhaltige Kiesel und Mar-more vortrefflichen Kalk'). Beinahe in ganz Italien ist der Baukalksehr gut, weil die Steine, die man in Kalk verwandelt, fast immersehr reine Marmorarten sind; der beste Kalk ist der von Turin, Padua ,Venedig und Rom .
1) G>lly und Stieglitz sind über diese» Gegenstand derselben Meinung,aber Sniealon, der Erbauer des Lenchtthnrmes von Edystone, Vicat nndAccum widersprechen diesen Unlerscheidnngs-Kennzeichen durch ihre Erfahrnngs-Resuitate nnd behaupten, daß »gemeiner Kalkstein und auch die reine Kreide«eben so guten Baukalk gebe, als der härteste und reinste Marmor.
»Weder die Härte, noch die Farbe, noch das spezifische Gewicht des»Kalksteines können als Kennzeichen dienen, um im Voraus die Güte des»daraus zu gewinnenden BaukalkeS zu bestimmen, und es lassen sich hierüber»schwerlich allgemeine Regeln aufstellen, ohne sie einer Menge von Aus-»nahmen zu unterwerfen. Auch die Reinheit des Steines trage nichts hiezu»bei, denn keiner der gewöhnlich zum Kalkbrennen angewandten Kalksteine»bestehe aus reiner kohlensaurer Kalkerde, die meisten seyen Gemenge aus»kohlensaurer Katkerde, Kieselerde, Thonerde, auch wohl kohlensaurer Talk-»erde, zuweilen auch Gyps, mit kleinen Beimischungen von Eisen- und Man-»gan-Orydul. Diese sind eigentlich Bi- oder Tri-Silicate der Kalk- und»Thonerde, die oft mit anderen Erden mechanisch vermengt find.«
Einige Kalksteinarten sind so sehr mit fremdartigen Erde» überladen, das;während des Brennens eine Insammensinternng des Gemenges erfolgt; diesesnennt man das Todtbrennen des Kalkes, wodurch der Kalk die Eigen-schaft erhält, im Wasser nicht löschbar zu seyn. Je reiner der kohlensaureKalkstein ist, desto stärker kann die Hitze seyn, welche er verträgt, ohne daßman das Todtbrennen zu befiärchten hätte. Kein Nrkalkstein kann todtge-brannr werden.
Anmerk. t. Ucbers.