.Kenntniß der Baumaterialien; von dem Kalk. 189
bedürfen also zu ihrer Erhärtung weder der Berührung der äußernLust, noch der damit verbundenen Austrocknung.
Die gemeinen Kalke saugen unter denselben Umständen viel mehrWasser ein, als sie zu ihrer Erhärtung brauchen, und da sie nicht dieFähigkeit haben, das überflüssige Wasser fahren zu lassen, so bleibensie beständig in einem weichen, teigartigen Zustand, nicht blos imWasser, sondern auch in dicht verschlossenen Gruben, wo sie gelöschtwerden.
Es giebt gewisse Kalke, die eine Mittelstufe zwischen dem hydrau-lischen und gemeinen bilden, denn wenn man einen Brei aus ihnenbildet und sie der Berührung der Luft entzieht, so erlangen sie einigeFestigkeit, werden aber nie recht hart. Sie können nicht alles Wasserin festen Zustand verwandeln, das sie enthalten; ein kleiner Ucberschußdesselben verbindet sich nicht mit ihnen.
Un, die, hydraulischen Eigenschaften der kohlensauren Kalkstcinartenzu erkennen, ohne die chemische Analyse vorzunehmen, die KenntnisseerfordM, welche nicht jeder Baumeister haben kann, schlägt Vicat vor,den anzuwendenden Kalkstein mit Holzkohlen (weil sich im Stein-kohlcnfeucr eine Dritte bildet) in einer Esse zu Kalk zu brennen, denerhaltenen Kalk auf die gewöhnliche Art abzulöschen, und daraus eineteigartige Masse zu bilden, die man in reines Wasser legt; wenn nach8 — 14 Tagen Niese Masse hart geworden, so daß sie dem Eindruckdes Fingers widersteht, so gehört der Kalk den hydraulischen Kalk-arten an; bleibt die Masse hingegen weich, so ist es gemeiner oderfetter Kalk.
Der englische Baumeister Smeaton war der erste, welcher dieBemerkung machte, daß Kiesel- und Thonerde enthaltende KalksteineKalk liefern, welcher die Eigenschaft besitzt, im Wasser zu erhärten,und daß die Bestandtheile des kieselerdehaltigen Kalksteines durchBrennen eine Veränderung erleiden.
Nähere Versuche von Dcscotils, John und Vicat haben gezeigt,daß die Eigenschaft des hydraulischen Kalkes, zu erhärten, der Gegen-wart einer gewissen Menge fremder Erdarten, vorzüglich der Kicsel-und Thonerde-Verbindung zuzuschreiben scv; es ist aber noch nichtausgemirtelt, wie viel von diesen Erdverbindungen nothwendig erfor-derlich ist, um dem Kalke die Eigenschaften des hydraulischen zu er-theilen. Die Gegenwart des Eisen- oder Mangan-Oxyds scheint zwarauch zuträglich, keineswegs aber durchaus nothwendig; denn es giebt