Kennt«, d. Baum.; Laub - u. Nadelhölzer v. Europa . 225
(Das Vaterland dieses nützlichen Baumes ist Castana in Thessa-lien, von wo aus er längst in verschiedene Länder von Asien undEuropa verpflanzt worden: in Deutschland wird er seit einiger Zeirbesonders am Harz bei Wernigerode, auch bei Meißen und an andernOrten gezogen. Es ist ein ziemlich rasch wachsender Baum: manunterscheidet zweierlei Arten desselben, den wilden und den zahmenKastanienbaum. Die Früchte des letztem nennt man Maronen, auchwohl zahme Kastanien. — Das Holz von der jungen Kastanicnbucheist weiß, von älteren Bäumen gelbbraun: es hat mit dem Eichcnholzeviele Ähnlichkeit und ist dem Angriff von Würmern nicht ausgesetzt:auch fault es nicht leicht, daher wird es zu Weinfässern, Wein-pfählen rc. genommen, und weil es eine schöne Politur annimmt,von Tischlern und Drechslern geschätzt. Zum Brennen taugt es we-niger, weil es nicht viel Hitze giebt, eher noch zum Verkohlen. —Ein Kubikf. trockenes zahmeS Kastanicnholz wiegt 39 — 42 Pfd.
Von dem obigen ist wohl zu unterscheiden der gemeine Noß-kastanienbaum , L.^), der ursprünglich
im nördlichen Asien zu Hause ist, aber jetzt überall in Europa gutfortkommt. Er wächst sehr schnell mit einem geraden Stamme, seineAcstc sind stark in die Höhe steigend, und bilden mit den großen,aderigen, gefingerten und langgestieltcn Blättern eine prächtige Krone:er erreicht eine Höhe von 00 — 80 Fuß, mit einer-Stärke von 2—3Fuß und darüber. Gewöhnlich nimmt man den Roßkastanienbaumzu Alleen, zur Zierde vor den Häusern und auf öffentlichen Plätzen.In Alleen ist er auf Rasenstücken zu empfehlen, niemals aber nahean Fruchtseldern, weil seine Wurzeln sich weit ausbreiten und dieFelder aussaugen.
Das Holz dieses Baumes ist weich, faserig und leicht; das jungeHolz ist schwammig: ersteres hat eine weiße Farbe, nach dem Kerne
bchauen und selbst mit einer Art Hobel , dem sogenannten Schürfhobel abge-glättet; die Verbindungsstücke waren gut ansgedachr und dauerhaft verfertigt.Die Dachstühle waren im Allgemeinen sehr hoch, weit und wohl gelüftet.Gut hergestellte und wohl unterhaltene Bedachungen sicherten das Holz vorzusammen gedrängter Feuchtigkeit und vor allen schädlichen Einwirkungen derAtmosphäre. Alle diese Vorsichtsmaßregeln haben vielleicht mehr zur Er-haltung dieser Jimmerwerke beigetragen, als die Beschaffenheit des dazuangewandten Eichenholzes.
Anmerk. d. Vers.