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Erster Band.
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Kenntniß der Baumaterialien; von dem Eisen. 333

Frankreich nimmt manOelfarbe, mit welcher man das der Feuchtigkeitausgesetzte Eisen auch nachher wieder bestrcichen kann, denn bei demdavor gesicherten ist dies nicht nötbig, wenn es auch der Luft aus-gesetzt ist.

Beinahe alle eiserne Vcrbandstückc eines Gebäudes wirken zug-weise und widerstehen dem Seitenschub durch die Zähheit oder durchden Zusammenhang ihrer Bestandtheile. Diese Eigenschaft ist es,welche die hauptsächlichste Güte des Eisens ausmacht, und diese Gütewird durch das Schmieden noch bedeutend vermehrt. Bussen ver-sichert, daß die gute oder schlechte Beschaffenheit des Eisens wenigervon der Natur der dazu verwendeten Erze abhänge, als von der Art,wie es sabricirt werde. Nach seiner Meinung ist das englische, deut-sche oder schwedische Eisen nicht besser, als das französische: er sagt,er habe die Probe gemacht, daß, wenn man das Eisen wenig erhitzeund viel schmiede, man dasselbe sehniger mache, und es dadurchdem größtmöglichen Grad von Stärke näher bringe, welchen zuerreichen man nicht genug empfehlen könne.

Noch fehlt viel, daß gewöhnliches Eisen so gut verfertigt werde,als es seyn könnte; um dies beurtheilen zu können, wollen wir einenkurzen Begriff über die Fabrikationsart desselben anführen.

Wenn das Erz flüssig ist, so gießt man es in dicken Stangen inSand; diese Stangen nennt man Gänse, und giebt ihnen die Ge-stalt eines dreieckigen Prisma's von 151800 Pfund und noch mehrim Gewicht: die Gans wird alsdann auf den Frischherd gebracht, woman sie bis zum Schmelzen erhitzt, und eine neue Stange, Luppegenannt, daraus bildet, die man unter den Eisenhammer bringt, undanfangs mit schwachen Schlägen hämmert, um die Massentheile näheran einander zu bringen und zusammen zu schweißen.

Wenn diese Luppe geseigert ist, d. h. wenn man durch Häm-mern mit schwachen Schlägen den Glas schäum oder die fremdartigen,zwischen die Eisenmasse eingesprengten, Theile ausgetrieben hat, sohämmert man kräftiger, um es zu dicken Barren von ungefähr 3 FußLänge zu strecken: diese bringt man nochmals unter den Eisenhammer,um ihnen nach Verlangen jede beliebige Form zu geben. Auf dieseArt wird alles Roheisen verfertigt; es kommt nur zwei- höchstensdreimal unter den Hammer, daher hat es auch bei weitem nicht dieZähigkeit, die es erlangen könnte, wenn man es öfter und mit wenigerEile bearbeitete.