Bei einer Festung nach vorliegendem Entwürfe würde dieses die Anzahl Geschütz sein, die bei ei»ner vollständigen Armirung erforderlich wäre, sobald man sich sowohl gegen den förmlichen, als auch gegen dengewaltsamen Angriff, gehörig sicherzustellen hat. Wäre aber die Festung etwa durch nasse Graben, oder aufandere Art, so gegen den gewaltsamen Angriff, gesichert, daß ein solches Unternehmen bei der gehörigen Auf-merksamkeit unmöglich wird, oder, durch Kleingewehrfcuer allein, völlig abgeschlagen werden kann, so würdeman nur das Geschütz gegen den förmlichen Angriff zu rechnen brauchen, welches 120 Stück beträgt.
Zur Flankirung des bedeckten Weges auf den angegriffenen Fronten haben wir Haubitzen genommen,welches uns zu diesem Endzwecke das vorzüglichste Geschütz zu sein scheint, da man nicht allein Mehr Kar-tätschen daraus schießen kann, als aus Kanonen, sondern auch, weil man statt der Kartätschen, Hand-granaten nehmen kann, die, wegen des Zerplatzens, eine doppelte Wirkung thun. Es würde aus diesemGrunde vielleicht auch nicht unzweckmäßig sein, wenn man zur Bestreichung der Graben, auf den Flankendes Hauptwalls und der retranchirten Waffenplätze, statt der Kanonen, Haubitzen nähme, besonders wo nurallein auf den gewaltsamen Angriff Rücksicht zu nehmen ist.
Das Geschütz, welches auf den Werken steht, die keinen Einfluß gegen den förmlichen Angriff haben,kann demjenigen auf den Angriffsfronten zur Reserve dienen, so wie es auch nachmale zur Besetzung derAbschnitte p, o, rcz, s und t gebraucht werden muß.
In der obenstehenden Aufstellung sind keine besondere Steinmörser zu den Spiegelgranaten undSteinen angegeben; indem man dazu einen jeden Mörser, besonders die von großem Caliber, nehmen kann,wenn ihre Zündlöcher auch wirklich schon etwas ausgeschlossen sein sollten. Auf so nahen Distanzen kann dieDifferenz der Wurfweiten mit Steinen und Spiegelgranaten keinen großen Unterschied machen.
Alle diejenigen Kanonen, deren Wirkung sich bi« auf da« vorliegende Terrain ausdehnen muß unddie gegen die außerhalb gelegenen Arbeiten und Batterien des Belagerers gebraucht werde» sollen, müssenmit den neuern WallaMten versehen sein, um über die Brustwehren an jedem Punkte wegfeuern zu kön-nen, ohne Schießscharten oder Gcschühbanken nöthig zu haben. Dieses sind auf den Seiten des Angriffs44 Kanonen und auf den übrigen Seiten 6 Kanonen, zusammen also 50 Stück. Alsdann wird die Festungs-artillerie den höchsten Grad von Wirksamkeit erlangen können, indem sie nach allen Richtungen überraschendund vereinigt auf einen Punkt, gegen das Demontiren gehörig gesichert, wirken kann, so wie auch die Ve-dienung des Geschützes dadurch gegen das empfindliche Tirailleurfeuer gedeckt ist.
2. M U n i t i 0 n.
Bei Vertheidigung einer Festung ist nicht leicht etwas nachtheiliger, als Mangel an Munition, in-dem dadurch eine Lähmung und Abspannung aller Kräfte entsteht. Eine Festung aus Mangel an Muni-tion übergeben zu müssen, die sich vielleicht noch lange hätte halten können, ist ein sehr empörendes Ereignißund man kann beinahe allemal annehmen, daß es eine Folge von Fehlern, Vernachlässigungen, oder falschenAnsichten ist.
Bei Festungen sollte man sich nicht damit begnügen, nur soviel Munition zu haben, als das Ge-schütz, nach der gewöhnlichen Dauer einer Belagerung berechnet, dessen bedarf; indem im Kriege Umstände ein-treten können, wodurch die berechnete Uebergabe verzögert wird. Es liegt selbst noch im Reiche der Möglichkeit, daß