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Unterricht für die Officiers, die sich zu Feld-Ingenieurs bilden, oder doch den Feldzügen mit Nutzen beywohnen wollen, durch Beyspiele aus dem letzten Kriege erläutert, und mit nöthigen Plans versehen / von Johann Gottlieb Tielke
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I. Theil. II. Hauptstück.

mit Güte und Belohnung hierzu erkaufen, so hat manviel gewonnen; Wo nicht, so muß Zwang und Furchtihn barzu bringen.

Wenn man in seinem, oder seiner BundsgenossenLande ist, so ist ersteres nicht schwer; Allein es gehetauch sogar in des Feindes Lande an. Man kann den här-testen Kopf und gröbsten Menschen durch gütiges undfreundliches Betragen und Zureden gewinnen, welchesden gemeinen Mann um desto mehr einnimmt und be-zaubert, je weniger er es von Kricgsleutcn gewohnt ist.Zudem können auch einige Thaler, zu rechter Zeit undmit guter Art an Mann gebracht, Wunder thun. Kannman aber gar keinen andern, als gezwungenen Wegwei-ser, haben, so muß man ihn keinen Augenblick aus denAugen lassen, damit er nicht entläuft, und zwar nichtszu Leide thun, (welches ihn vielleicht zur Verzweifelungund Ricke bringen könnte,) jedoch bey jeder Frage mitdem Todschiessen drohen, im Fall er die Wahrheit nichtsagen, oder einen dem Feinde in die Hände führen würde.Kann man einen solchen Wegweiser haben, dessen Haue,oder Frau und Kinder, man in seiner Gewalt hat, so istes desto besser. Hiervon ein mehrcrs in des Königsvon Preußen Unterricht an seine Generals.

§- 9 -

So wie man vorrückt, betrachtet man, zumal wennman Anhöhen erreichen kann, die ganze Gegend auf al-len Seiten, trägt alleHauptwcge und die ansehnlichstenBerge mit ihren Nahmen in seinen Entwurf(6rouillon)oder Schrcibetafel, erkundiget sich aufs genaueste, washinter den Bergen, wohin man weder kommen, nochsehen kann, liegt, wie die Wege gehen, wie die Schlüchtebeschaffen, ob und wo es Moräste, Teiche und Flüsse giebt,wo Führten und Brücken seyn, ob letztere von Holz oder

Stein?