Vorrede.
anderwerts, als vornemlich in denen geqenden, welche vonSva-nien und Portugall besessen werden, gar keine eysen-bergwercke sichbefinden; ja, was noch mehr ist, daß, wo man auch dergleichen w.aendwo anlegen und aufbrechen könnte, dennoch die staats-vor-theile dieser beherrscheren solches nimmermehr zuliessen. Die ur-sach davon ist, weil man die natürlichen einwohnere durch nichtswehr, als durch Mangel der waffen und aller eysernen werckzeugen,oder daß sie doch dieselbigen allein aus Europa und von ihrenOberherren selbst empfangen müssen, im zäum und gehorsam zuhalten getrauet. Von Brasilien insonderheit haben wir die klarestezeugnusse derjenigen, welche theils zu erst hingekommen, theils nochlange hernach in dem lande gewesen sind. Alle bestätigen biß ein«hällig, wie die leuthe des landes nie keine eyserne oder stählerneWaffen gehabt, und, da sie sonsten streitbar und behertzt genug, sichin ihren kriegen lediglich, theils grosser höltzerner degen und keulen,theils aber solcher pfeilen zu bedienen gepflegt, welchen sie vornen,an statt des eysens, entweder ein scharffgespitztes dein, oder eine ge-wisse art von einem sehr harten, gleichfalls gescharffren, boltz, oderendlich ein fisch-grath aus dem schwantz derer fischen, welche unterdem Frantzösischen namen llcs am meisten bekannt sind, vor-steckten. Wir haben hieven die deutlichen Worte Csssari; «ari^i
ck rebur in Lrsiilis xeiiis iul> Xlauririo tgaiiLvio p. zS. (tlav« ligneM,srru», lzgirr«.- viri; srma kunt: liss olstculis vel llurillimir üipieibur
scuuüe. uc kliorsce; parmulargue corllceas erajicianr. Lerv in seiner»illoire 6'un voysge ksit en Is teere ciu ürelil ist noch weitläufftiger:Ilr onc premieremeat leur lacape, c'cli s llire, leurz etpees Lc msliüs;,lss unes ellsas lls boir rouZe, L: Ics surrcs llc bolz ooir Lc. >Vil bour lleleur, üefckes, ilr werrcut sux uncs, cles or poi'mur; aux sutres, Is lon-xueur lle llemi pierl sie guelgue kois lle cannes , tric en lle trocettc,^ pj^uriit lls meme> öc guelque toi, le bour ll'une gueuc lle rsie,Is-^iieUe «k korr venimeuic; mcsme cicpuis czuc le, kraa^oi, <8c porrugri,«ne krcquentö cc psis lä, Ic; iguvsgcs 2 leur iwirstiou coruiocncent cl'xmerrre , 6 nur, un fcr «je üesckes, pour le moin, uns pointe cle clou.
Der muß ja wenig sehen können, welcher aus dergleichen örterennicht verstehet, wie dieses land nie kein eysen für sich selbst Herfür.gebracht, und sogar die in den letsteren Worten qemeldte arme nä-gel von den Europäern entlehnen müssen. Wie nett klinget esdann jetzt nicht, waun man uns mitten in diesem Brasilianischenlande, und namentlich zu Olinda sürrreffliche Waffen-schmidten an-legt, und von daheraus eine art degen-klincren in Europa bringen läßt/ welche sehr gut sind und ein Horn zum zei-chen führen/ auch von dieser stadt Olinden genennet wer-den. Woher Meynen wohl die liefere, daß uns der rare und curieui-verstand hergekommen seye ? Man kans zwar eben nicht so gewißerrathen und vorzeigen, wie bey denen vorigen musteren geschehenist. Doch scheinet gar vermuthlich, auch nach dem urtheil einigerwohlerfahrener degen-und klingen-händleren, welche man hierüberum rath gefragt hat: der lachens-wükdige fehler möchte von denenberühmten Solinger -klingen herrühren, welche zwar nach demunterscheid der verschiedenen meisteren, wohl noch etwan gewisseandere zeichen, aber auch sehr offi ein Horn führen. Für Solin-ger -klingen müste jemand zu erst fälschlich Olinder-klingenausgesprochen oder geschrieben haben. Ober es könnte auch würck-lich das also verderbte wort Olinden durch die länge einiger zeitfür eine gemeine benennung eben der jctztgedachten Solingifchenklingen aufgekommen seyn. Wo nun je dieses leiste aho wäre,welches man doch an seinen ort muß gestellet seyn lassen; so be,gehret man allenfalls über das wort selbst nicht zu streiten, und willgerne glauben, wie übel solches anfänglich verderbet, und von seinerwahren aussprach entfremdet worden; so möge man doch selbigesanjetzv mit bestem fug für gutes und reines Teutfch halten. Abersolle auch deswegen sogleich die artige folgerung passiren: Weit et-wann die Solinger -klingen in Sachsenland durch eine verderdungdes Worts Olinden hejssen; so werden selbige jetzt auch von demBrasilianischen Olinlla lle l-ern-mkuco in Europa übergebracht.Dock, wie es gleich vorher mit der schlacht des fohnes Mo-lorchi beschaffen gewesen, daß wir selbige nicht ursprünglich demLeipz. Mexico zu verdancken gehabt, sondern daß solche lediglich ausMoreri wäre entlehnet worden ; also bat es nun auch mit denendegen-fchmidten zu Olinda eine gleiche bewandnuß,welche der HerrVerfasser des artickels allein in dem Zeitungs-l-exic« unterm titulOlinhe anzutreffen das glücke gehabt, und alsofort, als ein rareskleiuod aufgehoben, um seinen artickel oiincla 6- nernambucL da-mit zu bereicheren und auszuzier.en. Allein diß solle nun einmahlgenug seyn von dem schlechten und elenden gezeug, welcher uns beydenen 2 vorigen auflagen dieses gegenwärtigen Werckes in sehr rei-ner und netter fchreib-art, und also nach der eigenen redens-art un-sers gelehrten Gegners, gleichsam e-> grnre^uc- erschienen ist.
Was würde aber jetzt dieser gelehrte Verfasser der ausgestren,ten c-nlur sagen, wann man sich gar in Basel erkühnen solte, auch«och etwas an verschiedenen Teutschen ausdrucknngen derer vori-gen Leipziger auflagen unsers Hist. L,ex!ci auszusetzen? Es wird janeben der reinlichkcit in denen Worten auch noch etwas anders er-forderet , um gut Teutsch zu schreiben; und ist nicht genug in ei-nem wegen Nettigkeit der sprach berühmten land gcbohren seyn, umalles was man aus seiner seder fliesten läßt,für gantz ohne tadel undunvergleichlich gelten zu machen. Wer insonderheit von Historienrecht gute und nette auffätze machen will, der hat einmahl unum-gänglich ausser die erkännlnuß der sprach noch andere wisscnfchasstvonnöthen, welche die blosse geburt oder auserziehung an diesemoder jenem ort niemanden so leicht mittheilen kan. Alle verstän-dige Lestre haben schon bey anlaß unserer ersten Vorrede aeurthei-let, daß die grosse mänge deren aneren/ so von denen Frantzö.fischen etwas gleichen endigungen, an welche aber diese w»rivn
besser, als die Teutsche, gewehnet ist, oder, noch deutlicher zu sagen,welche gleichsam blindlings aus Moreri und Bayle, hergeholetworden, nicht allein meistenlheils unrichtig, und nur bequem seyen,einen falschen begriff von denen fachen selbst zu geben, sonderen,daß sie auch noch ferner gar unteutsch und recht barbarisch klin-gen. Man ist glaubwürdig berichtet, daß innert der kurtzen zeit,styl welcher die zwey vorige bände aus licht kommen, dergleichenaner schon mehrerer orten zu einem schertz-und sprüch-wort gedie.hen sind. Nun kommen diese, wie leicht zu erachten, nicht minderofflmahl in denen gegenwärtigen leisten theilen vor. Da regnetsgleichsam noch immer mit Messenianeren/für Messenier, mitPhoenictaneren für Phoenicier, mit Locrtaneren/ an statt derLocrenser, und mit vielen anderen dieses gleichen mehr. Da wirddie erbärmliche Verwirrung deren Römischen o-mium und tH-liarum eben durch diese benennung beständig fortgetrieben , undkommt uns bald die Anniantfche samilie vor, im art. Milo, balddie familie der Minutraner/ in ktim-ciu-- ?.ugunE balddie kiutirm oder o-ns im Wort r-turisni sechsten; bald auchdas gefchlecht der iHniorum oder rumLnorum , in art. Uci-nius; an welchen zwey letsteren orten der Herr Verfasser noch schei-net in einem gelehrten »weiset gestanden zu seyw welche von beydenausdrucknngen die beste wäre. Noch artiger ist, wann die bey denRömischen scribenten so bekannte vis OmpLnz, nur weil solcheMoreri Vor- eamp-liiennc genennet hatte, zu Leipzig Via csmpL-niena heissen muß; welche benennung gewißlich weder Cicero nochJulius Cäsar , die sonsten diese straf, offt genug bettelten, nimmer,mehr erkennen wurden.
Eine andere noch seltenere art die sprach zu verderben, ist dieje-nige, wann man auch solche namen und geschlechtere, welche imgründe unstreitig Teutsch sind, schlechterdingen nach der Frantzöst.schen mund-art einrichten und drehen will. Wer wurde doch denGroßmeister des Teutschen ordens gegen ende , des ir tccuü,Burckart Defchwenden für einen wahren Teutschen, Ser we-nigst aus dem sonst ja genug bekannten haust von Gchwendi an-sehen, wann er dene auf obige weise im art. Revel ( Hugo 6-) cui-gezogen findet? Doch ist uns der gedachte mann mitten in Leivzigalso genennt worden, nur weil Moreri den edlen Teutschen namenauf die erbärmliche weise verkehret, und mit Bruchard Deschwen-den adgewechslel hatte.
Ferner gestehen alle vernünfftige, baß die allerbeste und reinesteauödruckungen dannoch eine gar schlechte sprach abgeben, wo mandiestlbige übel anbringet, und also setzet, daß der Leser, wann er sol-che nach ihrer wahren krafft nimmek,entweder einen gantz dunckelen,oder auch gar einen falschen verstand daraus fassen muß. Mankan sich da folgende redens-arten aus dem art. Pentapolis dererr vorigen ausgaben zur probe dienen lassen: Dieser name/ nein»lich Pentapolis, wurde einer gewissen gegend in Syrien ge-geben/ worinnen folgende fünffstädte waren/ Sodom/Gomorrha/ Adama/ heboim/ und Scgor/ welche um dereinwohuer fünde willen mit feur vom Himmel verzehretwurden. Muß hier nicht ein Leier, der ctwann die fachen vorhernicht genug inn hat, aus diesen motten, und absonderlich aus denendreyen iwxcrLttir, wurde/ waren/wurden / ziemlicher Müssenurtheilen: man wolle hiedurch andeuten, der name Pentapoliswäre der beschriebenen gegend zugelegt worden, und müste dero»wegen die Griechische sprach in Syrien floriert haben, schon zu de-nen zeiten Loth und Abrahams , ehe noch die genannte; städte zu-samt der landschafft, worinnen sie lagen, durchs feuer vom Himmelverzehret wurden, und an ihrem platz das sogenannte todte meerentstanden ist? Wie klein sonsten diese anmerckung den HerrnGegner duncken möchte, so Werdens ihm doch alle kennere sagen,daß die rede-kunst hauptsächlich auch eine richtige setzung dererremporum erfordere, und fast nicht minder hieran gelegen stye, daßdurch selbige die genaue zeiten, als daß durch die Worte stldsten jedefachen oder gedancken aufs deutlichste angezeiget werden. Ausdieser ursach sind fast in allen bekannten sprachen die im thon st»sehr unterschiedene iroperk-üa, psrteLts, und plusquawxerkeLs, wieauch bey denen Griechen noch ferner die äaritti, aufkommen; wek,chen letsteren es ja die Frantzosen, Jtaliäner, Engelländer, und an-dere Europäische Nationen noch würcklich nachthun; so gar, daßunter selbigen die Herren ausländcre, und eben wir Teutsche undSchweitzere, über nichts öffter ausgelachet werden, als wo jemandin Vermischung dieser prXrerirorum propiorum oder rcmonoriia,fehlet. Wiewohl man sich nun hier mit dem einigen vvrangezoge-nen exempel gerne begnügen will; so kan doch gewiß versicheretwerden, baß von dieser gatlung loi«cilmoruin ( dann also wirdman solche nun wohl nennen börsten) viele blitzende aus dem Hist.l-exico weggeschaffet worden.
Um noch einige andere nicht allznnette redens-arten der vorigenausgaben, weil man ja dazu sich gleichsam ausgeforderet befindet,anzmuhren; so wird noch wohl erlaubet seyn, etwas an denenWorten zu tadeln, durch welche in dem schon vorher aus anderemanlaß berührten art. Nemea die fälschlich einaebildete ertödtnnades sohns Molorchi vom Hercule, die schlacht des sohns Mc>.Horcht genennet wird. Ist denn diß eben so gar reines Teutsch, dieertöblung eines einzelen menschen, welche, wo sie je wahrhassliq ge-schehen wäre, dannoch einem Helden, wie Hercules war, eben we.nig muhe würde gekostet haben, eine schlacht / und zwar dieschlacht dieses getödteten nennen ? Doch fall! hier eine w.utd^maffung bey, weiche nicht zu verschweigen ist: Es möchte viel,leicht an dem ort ein druckfebler einqcschbchen seyn, und an stattMacht das wort schlachtung stehen sollen; um so mehr MMoreri,deine man in dem art. gar zu getreulich, auch in denen feh-leren, so er begangen, gefolget ist, die aiisdruckmrg gebrauchet hat r