Durch die Berge an die Westküste von Santo
Vom Nachbar kamen in den nächsten Tagen wirre Zeilen mitBesserungsversprechen und Bitten um Verzeihung. Wir erhörten ihnerst, als sein Alkoholvorrat erschöpft war. Es war schon vorher, ab-gemacht worden, daß er mich nach Wora, einer seiner Nebenstationennahe bei Kap Cumberland, bringen werde.
Nachdem er sich einigermaßen erholt hatte, fuhren wir zusammendorthin.
Es war eine einfache, aber freundliche Hütte in einer Lichtungmit weitem Blick aufs Meer. Ganz in der Nähe hausten einige Ein-geborene; einer von ihnen war ein Biese, den ich aber einst wie einenSchulbuben mit einer kleinen und dazu noch in Eormol konserviertenSchlange davonlaufen machte. Er war der Besitzer großer Tarofelder,die künstlich bewässert wurden (Taf. 23). Diese Bewässerungsanlagenmüssen aus einer früheren Zeit stammen, denn man kann kaum an-nehmen, daß die heutige Bevölkerung mit ihrer zerfallenden Kulturimstande gewesen sei, solch große Bauten, die nur durch das ein-hellige Zusammenarbeiten einer zahlreichen Bevölkerung erstellt werdenkonnten, auszuführen. Durch einen der vielen Wildbäche wird ausSteinblöcken ein Damm gezogen, der immer ungefähr dieselbe MengeWasser in einen Kanal leitet. Die Kanäle sind oft sehr lang, ziehensich an den Abhängen hin, sind meist nur in die Erde geschnitten,oft aber auch durch den Fels gehauen oder halb freihängend gebaut.Die Unterstützung besteht dann aus Bambus und Baumstämmen.Bei den Feldern teilt sich der Kanal in mehrere Arme und durch-fließt die flachen, stufenförmig angelegten Beete, in welche die Taro-schößlinge nur leicht eingesteckt zu werden brauchen, um in kurzerZeit die großen, fetten Blätter und nach zehn Monaten Knollen zuentwickeln. Taro kann nur in sehr feuchtem Grunde gebaut werden,die hiesige Sorte sogar nur im Wasser, so daß seine Kultur aufden wasser-, wenn auch nicht regenarmen Korallenflächen selten mög-
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