Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
Entstehung
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Dem Durchleuchtigſten Fuͤrſten und Herren/

Herꝛen Eriderich/ Jarggraffen zu Badenund Hochberg/ Landgraſſen zu Sauſenberg/ Graffen zu Span heim

und Eberſtein/ Herren zu Roͤtelen/ Badenweiler / Lahr und Mahlberg /ꝛ.Meinem gnaͤdigſten Fuͤrſten und Herren.

DT: Urchleuchtigſter/ gnaͤdigſter Fuͤrſt und Herꝛ/

/ Vnder allen Kreaturen/ fo der Allerhoͤchſte im Anfang ges

5 ſchaffen/ iſt der Menſch/ allein und ohne mittel/ Gott den Schoͤpf-

f Y fer zu loben/ die übrigen aber alle/ dem WMenſchen zu gutem/ ers

SL ſchaffen worden: alſo/ daß ein jede deroſelben/ auf ein ſonderbare

6 No Weiß/ ihme zu dienſt ſeyn muß; welches ſich dann/ qus betrach-

tung/ ſo vieler und mancherley Kraͤutern und Gewaͤchſen der Er-den/ fuͤrnemlich erſcheinet: die ihme anfangs zwar; theils und insſonderheit/ zur Speis/ theils zur Beluſtigung/ hernach aber/; S nach dem leidigen Suͤndenfahl/ auch zur Bekleidung und Artz-ney dienen muͤſſen: Dann es wird dafür gehalten/ daß der Menſch/ zu der Zeit/ da er noch inVuſchuld/ ohne Sind gelebt/ keine andere Speis gehabt/ ja auch eine geraume Zeit hernach/

und ſey ihme erſt/ nach dem/ durch die ſchroͤckliche Ergieſſung des Suͤndfluſſes/ alle Gewaͤchs

der Erden verſchwem̃et und verderbet/ ins gemein Fleiſch zu eſſen/ erlaubet worden. So iſt dañ

auch bekant/ daß der erſten Menſchen Kleider/ Feigenblaͤtter geweſen/ und auch noch auf heu-

tigen Tag/ viel tauſent derſelben aus Kraͤutern,/ fuͤrnemlich dem Hanff/ ſich bekleiden/ ja auch

die reichſten und vornemſten aus Flachs und Wollen/ ſo an Baͤumen waͤchſt/ ihre zaͤrtiſte

Kleider machen: der Baͤumen jetzund zu geſchweigen; aus welchen man nicht nur Haͤuſer und

köſtliche ebaͤu/ dem Menſchen zur Wohnung/ ſondern auch Schiffe/ darinn von einem EndJ der Welt/ zum andern geſegelt/ zurichtet/ wodurch dem menſchlichen Geſchlecht/ groſſer Nutzkan geſchaffet werden; iſt das ein ungusſprechliche Gnad Gottes/ daß er durch feine unend-

liche Barmhertzigkeit/ nach dem der ungehorſame Menſch/ ſein göͤteliches Geſatz muhtwilliger

weiß uͤbertretten/ ihme nicht nur/ was zu feinem Leben vonnoͤhten/ als Speis/ Tranck/ Klei-

dung und desgleichen gegeben/ ſondern zu Verlaͤngerung ſeines Lebens/ Erhaltung und Wie-derbringung der Geſundheit/ auch vielfaltige Mittel verordnet/ ſo abermalen allerhand Ge-

waͤchs der Erden ſind/ deren je eines eine andere Tugend als das andere/ und eines zu dieſer/

ein anders zu jener Kranckheit tauglich/ alſo daß kein Menſch/ alle derſelben Kraͤfft und Tu-

genden/ jemals hat ergründen und ausſprechen koͤnnen. Dahero dann beſchehen/ daß von fo

vielen vornem̃en Perſonen/ nicht nur die Wiſſenſchafft der Kraͤuter hoch und werth gehalten/

ſondern auch Könige und Fuͤrſten / von denſelben und ihren Kraͤfften geſchrieben haben: wel-

ches ſchon Salomon der weiſeſte under den Königen gethan/ der/ wie die heilige Schrifſt beizeugt/ geſchrieben hat/ vom Feder und Libanon / bis auff den Hyſſop/ der aus der Wand waͤchſt.

Cyrus der groſſe Monarch/ und andere ſeins gleichen/ haben groſſen Luſt an den Blumen und

Gaͤrten gehabt/ und wird von Kaͤyſer Diocletiano geſchrieben/ er habe ſich fo ſehr darmit he-

luſtiget/ daß er deſſent wegen die Kaͤyſerliche Kron abgelegt/ und eine Zeit ſeines Lebens/ nur

in Gaͤrten zugebracht habe. Dis iſt auch die urſach/ daß viel Kraͤuter noch auf heutigen tag/

ihre Namen fo fie von groſſen Koͤnigen und Fuͤrſten bekom̃en/ behalten: das Kraut Gentiana

iſt von Gentio dem Könige der Illyrier/ Lyſimachia von Lyſimacho der Macedonier/ Tele-

phium von Telepho, dem König in Mifia erfunden/ und nach feinem Namen genennet

worden. Darum ſich dann nicht zu verwundern/ daß auch noch auff den heutigen Tag/ vielvornehme Potentaten/ Fuͤrſten und Herren/ ſich in dieſem Studio ſehr erluſtigen/ und zu

dem ende/ ſchoͤne und koͤſtliche Luſtgaͤrten/ hin und her pflantzen und ausruͤſten laſſen: wel-

ches dann auch zu Durlach in E. Hochf. Durchl. Reſidentz/ a hoͤchſter ran nn, ich

C geſehen/

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