Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
Entstehung
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Vorrede.

geht/ und durch die auslaͤndiſchen Stuck die theuer verkaufft werden maͤnniglich beſchwaͤret wird/ zu dem wären diegemeinen hielaͤndiſchen Kraͤuter und Gewaͤchs den Leuten ſonderlich aber dem gemeinen Mann anmuͤhtiger/ dieſolchen dingen geneigter/ beyde des groſſen Koſtens halber und auch daß fie ihre Natur den fremden auslaͤndi-ſchen Artzneyen alſo ſperret und widerſetzt/ daß ihrer viel lieber ſterben/ dann daß ſie ein Medicum zu ſich beruffenwollen/ welche fo man ihnen gemeine und bekandte Kräuter oder Wurtzeln anboͤte/ wären fie zu folgen willig/und möchten alſo dardurch viel erhalten und errettet werden/ welches dañ in keinem weg wider die Apothecker waͤre/ſondern viel mehr mit ihnen und den Medicis daran/ kamen deſto offter und koͤndten die Artzneyen viel ringer he-zahlen/ und wurden die boctores Medici dadurch gefuͤrdert/ in dem ſie deſto offter und lieber zu den Krancken des:ruffen wurden/ wie ich ſolches dann viel Jahr zu Heidelberg und anderswo auch in den Heerzuͤgen in den Kriegsnlagern mit der That erfahren/ als der ich auſſerhalb Theriack und Methridat wenig Compoſita gebraucht/ ſon-dern in meiner Practick mich den mehrentheil mit beßandten hielaͤndiſchen und auch fremden Kraͤutern undSimplicien die doch in unſerm Lufft gewachſen/ beholffen und vielmehr damit ausgericht/ die Curen auch ge-ſchwinder und gluͤcklicher geendet/ dann mit den auslaͤndiſchen Stuͤcken/ und den vermiſchten Artzneyen darinnſolche gehn/ hab doch keinem Apothecker damit einigen Schaden gethan/ wie ſie mir deſſen noch zu Heidelberg undanderswo zeugnus geben/ und auch bekennen muͤſſen/ daß ihre Apothecken beſſer und deſto mehr beſucht worden/dann ein kleiner Gewinn und derſelbe offt/ bringt mehr Nutz/ als ein groſſer der ſchaden thut/ und die Leut abſchroͤ-cket und vor den Kopff ſtoſſet. Ja es beklagen ſich die Apothecker hoͤchlich der vielen und groſſen Compoſitionen/die fie mit groſſem Koſten haͤuffig machen muͤſſen/ darnach wenig und ſelten gebraucht werden/ die ſie hernach-mals mit ihrem groſſen Schaden hinweg ſchuͤtten muͤſſen. Derwegen wär es rahtſamer/ daß die Potentaten/

EhurFurſten und Herren/ die übrigen Compoſita, deren man nach eines jeden Orts gelegenheit entbaͤhren koͤn-te, abſchaffen/ und die Verordnung dagegen thaͤten/ daß die Apothecken mit allerhand guten Kraͤutern/ Wurtzeln.

und andern Simplicien verſehen wären/ alſo daß die gebraͤuchlichſten Compoſita jahrlichen neben den Simpli-cien abgiengen/ dadurch wurden die Apothecken gut/ die Doctores Medici deſto mehr beſucht, und dem gemeinenNutz(ehr darmit gedient/ fo konten auch die Juden/ Barbierer/ Baderknecht Zahnbrecher/ Spinnenfreſſer unddergleichen Landfahrer/ die ſich des Artzneyens frevenlicher weiß unterſtehen/ und viel Leut verderben/ deſto leich-ter abgeſchafft werden/ in dem man die Krancken und das gemeine Volck mit gemeinen Kräutern und Simpliciencuriren wurde/ die ſonſt durch den uͤbermaͤſſigen Gebrauch der Compoſiten oder der Fremden vermiſchten Argeneyen vertreiben und von der Artzney abgeſchreckt werden/ und aus Unverſtand die Juden/ Paracelfiften und de-rengleichen Hümpeler und Haͤckenaͤrtzt, nohtwendig muͤſſen beſuchen/ daß alſo die rechte und wahre Kunſt derArtzney ſamt ihren Aertzten und den Apothecken bey maͤnniglich/ ſonderlich aber bey dem gemeinen Mann/ garin Verachtung kommen/ welcher Unraht durch die obgemelte Mittel wol konte verhindert werden-Daß nun Durchleuchtigſter Hochgeborner Fuͤrſt/ gnaͤdigſter Herz/ auch Durchleuchtige HochgeborneFuͤrſten/ und G. G. Herren/ ich die Kräuter und Gewächs, fo in unſerm Teutſchland von ſich ſelbſt ſo wolals durch die Pflantzung in unſerm Lufft wachſen/ vor anderer Nationen Kraͤuter und Gewächs rühme, ſollen

E. J. G. G. G. mich gnaͤdigſt nicht verdencken/ ſintemal ich aus langwiriger Erfahrung befunden/ daß dieſel-ben unſerer Natur und Complexion/ als die wir in gleichem Clymate gebohren und aufferzogen/ viel gemaͤſerund annehmlicher ſind/ auch ihre Wirckung beſſer und kraͤfftiger erzeigen/ als die Auslaͤndiſchen viel genandteSimplicien/ die man aus Arabien/ Indien und aus der neuen Welt bringet/ ſintemal die unſern mit unſern

Eoͤrpern eine natürliche Einhelligkeit, Conſenß und Sympathiam mit einander haben/ wie das Gegenſpielaber von dem Gebrauch der Auslaͤndiſchen Simplicien handgreifflich geſpuͤhret wird/ wie dann ſolches viel

herꝛlicher und gelehrter hocherfahrner Medici mit mir bezeugen muͤſſen. Es halten aber gleichwol etliche widerdieſe Meinung das Gegenſpiel für mit den Auslaͤndiſchen Arabiſchen und Indianiſchen Specereyen und Ge-wůrtz/ daß wir dieſelben zu vielen Leibs⸗gebrechen und Kranckheiten vaſt heiſſam und nuͤtzlich befinden/ ſeyengleichwol eben fo wol Auelaͤndiſche Simplicien als die andern Artzneyen/ die aus den obgemeldten Landſchafftengebracht werben/ und habe doch nie jemanden fo dieſelben maͤſſig und zu gebuͤhrenden Kranckheiten gebraucht/ je

einigen Schaden darvon bekommen. Darauff iſt die Antwort/ daß dieſelben durch den langwirigen taglichenGebrauch in unſern taͤglichen Speiſen unſer Natur von Jugend auff alſo gewohnet und angenommen/ daß ſiedardurch auch in ein Sympathiam und Conſenß gerahten/ gleichfalls als wann dieſelben under unſerm Clymate

gewachſen wären/ welches weit eine andere Meinung mit den Auslaͤndiſchen Artzneyen hat/ dann ob gleichwolderſelben etliche auch vor vielen Jahren mit andern Specereyen aus fremden Nationen zu uns gebracht wordenſeynd/ wie noch heutigs Tags/ fo ſeynd fie aber nicht alſo im täglichen gemeinen Gebrauch wie die Speeereyen⸗/hann etwan ein Menſch zwantzig/ dreiſſig/ ja auch viertzig bis in fuͤnfftzig Jahr alt wird/ der fein Lebenlang nie

ein Graͤnchen derſelben Stück verſucht hat/ wann dann deren einer in ein Schwachheit faͤllt/ von Stund an gibe-

man ihm ein Indianiſche Artzney ein/ die ſein Natur nie gewohnet/ und deren vielmehr zuwider iſt/ dann fie ihmnützlich oder zu feiner Geſundheit fuͤrderlich ſeyn kan/ ja es wird bisweilen ein Krancker viel ſchwacher dar von/ſintemal da ein Antipathia und widerwaͤrtiger Conſenß iſt/ zwiſchen der Natur und Complexion des Menſchensund der Artzney/ alſo daß ihm die Artzney mehr ſchaden thut/ dann ihme tutz iſt/ wie die tägliche Erfahrung bezeu-get, dann wie wir des Leibs halben einer andern Art und Temperament ſind weder die Araber Indianer und an⸗/dere Auslaͤndiſche Voͤlcker/ alſo hat Gott der HErꝛ unſere Kraͤuter und Artzney auch temperirt auff unſern Leib

und auff deſſelben Eigenſchafft und Qualiteten/ gleicherweiß wir auch alle unſere Speiß und Getraͤnck/daß ſie eben

das jenige wůrcken in unſern Leibern/ das bey den Auslaͤndiſchen ihre Kraͤuter/ Artzney/ Speiß und Traͤnck thun

und vollbringen/ Deſſen nun viel Exempel zu geben iſt unvonnoͤhten/ ſintemal auch ein jeder Perſtaͤndiger aus

geringen Dingen ſolches leichtlich abnemmen und verſtehen mag. Hab alſo gnaͤdigſter Fuͤrſt und Herz auch

G. G. Furſten und Herren ſolches wie bis daher gemeldet/ menniglich und ſonderlich unſerem lieben Vatterland

zum heſſen woͤllen andeuten/ nicht daß ich für pon der Artzney abſchrecken wollen/ ſondern fie vielmehr darzu anzu-. eiten/

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