Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
Entstehung
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Kleiner Bey-uuß.

Neer-Beyfuß.

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* IX. Meer Beyfuß.Artemiſia marina. JI.

zerſchnittene Blaͤtter mit weniger Kerffen/ wird faſt ei-ner Elen lang/ die Wurtzel iſt holtzechtig und weiß/ mitwenig Zaſeln: Oben an dem Stengeln? deren es dreyoder vier hat/ thLilt es ſich in kleine Neben aͤſtlein/ da kom-men aus kleinen ſchiepechtigen Saͤcklein oder Haͤußleinſchoͤne weiſſe Blumen/ mit acht oder neun Blaͤttlein/die vergleichen ſich der Blumen des Mettrams/ ſinddoch groͤſſer/ und iſt das inner geel Buͤtzlein kleiner/ hatgar keinen Geruch. Waͤchſt am Altzeyheymer⸗Gaͤu inhartem waſechtigem und ſteinechtigem Erdrich/ deß-gleichen an etlichen Orten des Reyngaus: wird ſonſtſelten gefunden/ wie es auch ſehr wenigen bekant iſt.Die Figur dieſes vierten Geſchlechts/ findet man inder 4. Sek. im 29. cap. da es dann Wund Reynfahrngenant wird.]Kleiner Beyfuß. Artemiſia minor.

Schein frembden kleinen Beyfuß haben wir zu be?

ſchreiben/ der aus frembden Landen zu uns ge-bracht worden. Der hat ein langlechte holtzechtige dün-ne Wurtzel mit vielen Zincklein oder Nebenzaſeln/ dar-auß wachſen fuͤnff oder ſechs kleiner duͤnner Stengleinoder Gertlein/ auf anderthalb Spannen lang/ gleichder Gertwurtz/ die ſich oben zum end zu/ mit etlichen Ne-benaͤſtlein austheilen: Die Blaͤtter um die Stengelherum ſind viel kleiner und ſchmaͤler, dann des gemei-nen Beyfuß/ an der Farb Sattgruͤn und tieff aus ge-ſchnitten wie der Chamillen. Oben am end der Gert-lein und Nebenaͤſtlein/ folgen viel kleiner geelgruͤnerKnoͤpfflein/ das find die Bluͤmlein und Samen.Der Geruch und Geſchmack dieſes Kraͤutleins iſt wiedes gemeinen Beyfuß/ derwegen wir es auch vor einGeſchlecht des Beyfuß halten. Es iſt ſehr gemein inder Provintz Franckreich/ da es in ziemlicher Menge vorſich ſelbſt waͤchſt/ muß aber bey uns in Teutſchland inden Gaͤrten gezielet werden/ und iſt ein Som̃er gewaͤchsdas bey uns den Winterfroſt nicht erleiden kan.

Meerbeyfuß.1. Dr Meerbeyfuß bringt herfuͤr von einer holtzech-

tigen/ zaſelechtigen Wurtzeln viel grau weiſſer/

dünner/ runder Stengel/ die find einer Elen lang/

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D. Jacobt Theodori Tabernaemontani/X. Meer Beyfuß

Artemiſia marina. II.|

auch bißweilen laͤnger. Die Blaͤtter um die Stengelherum auf der Erden ligend/ ſind ſchmaͤler und kleinerdann des gemeinen Beyfuß/ tieff zerſchnitten oder zer-ſpalten und Eſchenfarb// wie auch das gantz Gewaͤchs-vben her find die Blaͤtter weniger zerſchnitten auchſchmaͤler/ alſo daß etwan ein Blat nicht mehr als einenoder zween Spalten hat/ dem Meerfenchel gleich. Die

Stengel tragen oben an Gipffel viel kleiner geeler

Bluͤmlein/dar auf folget hauffechtig der geel Saamen/der iſt kleiner dann der andern Beyfuß Saamen/ demSaamen des Wermuths ſich beſſer vergleichend. DerGeruch des gantzen Krauts iſt lieblich faſt wie der Ge-ruch der Stabwurtz/ der Geſchmack iſt bitter und ver»ſaltzen. Er waͤchſt vor ſich ſelbſt an den Geſtaden desMeers. So dieſer Beyfuß in den Gaͤrten gepflantztwird/ waͤchſt er wol und komt glůcklich fort.

2. Noch iſt ein ander und kleiner Geſthlecht desMeerbeyfuß/ deſſen Blaͤtter/ wie auch das gantze Krautſchmaͤler und kleiner ſeynd, dann des vorgenanten:Das gantze Staͤudlein iſt Eſchenfarb/ hart/ holtzechtigund zaſelechtig/ der Geſchmack iſt bitter und verſaltzen/wie des vorgemelten/ der Geruch auch lieblicher/ faſtwie der Lavander/ waͤchſt auch an geſtaden des Meers/iſt aber nicht fo gemein wie das erſte.

Von den Namen der vorgenantenBeyfuͤſſeen.

E S treiben nicht allein die alten Weiber/ ſondern

auch viel hoher Leute, die doch ſich vor ſehr weiß undverſtaͤndig halten/ viel Aberglauben mit dem Beyfuß-welches vielmehr einer Zauberey/ dann natürlichenKünſten zu vergleichen. Etliche graben dieſes Krautauf gewiſſe Tage und Stund/ ſuchen Narꝛenkohlenoder Thorellenſtein darunter/ das hencken fie an vor Fie-ber und andere Kranckheiten. Andere machen Kraͤntzdarauß/ und guͤrten es um den Leib/ werffen es dar-nach mit ihren beſondern Reymen und Spruͤchen inS. Johanns Feuer auf S. Johannſen des heiligenTaͤuffers Tag/ vermeinen damit alles ihres Ungluͤcksentledigt zu werden. Wiewol nun das gemelte Krautin groſſem Werth zu halten/ um ſeiner herꝛlichen Tu-

gend/

cen. nt.