Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
Entstehung
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Das Erſte Buch/ Von Kräutern.

V. Groß Golbgeel gefüllt Thunisblumen.Flos Africanus major Aàureus multiflorus.

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halben Elen hoch/mit vielen Nebenaᷣſtlein: Die Blaͤt-ter vergleichen ſich dem wilden Baldrian oder demReynfahrn/ auff beyden Seiten zerkerfft/ doch etwastieffer dann des Reynfahrns, daher auch etliche dißKraut vor ein Geſchlecht deß Reynfahrns oder Bey-fuß gehalten/ doch nicht ohn ein kleinen Irꝛthumb.Oben am end der Stengel und Neben zweiglein kom̃envon den zarten/ runden/ langen Haͤlmern herfuͤr dieſchoͤnen Blumen/ auf langlechten Knoͤpffen oder haͤuß-lein/ welche rings herumb mit fuͤnff oder ſechs Ripleinerhaben/ die ſeynd von Farben gantz ſchwartzroth/ wieein ſchoͤner Sammat/ und das erſtlich/ ſo fie aber etlichTag ſtehen bleiben/ werden ſie Bleichgeel/ ſonderlich aufder Seiten gegen der Erden. Nach Verwelckung undAbfallung der Roͤßlein oder Blumen/ folget der langeſchwartz Saamen welcher ſich dem Saamen der A-lantwurtz vergleicht) gantz gedrungen in jetzgemeldten

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F len Blumen/ einer ſchoͤnen gefüllten Roſen gleich/ die

ſtincken gleich übel wie das Kraut.

Alle Geſchlecht dieſer ſchoͤnen Blumen halten ſichlang/ und ſonderlich die groſſen und gefuͤllten/ die etwaneiner Fauſt groß werden: die fahen an zu bluͤhen imend des Junij/ auch bisweilen zeitlicher/ die waͤhren bisin Herbſt hinein. Wann man ſie aber abbricht/ undſtellets in ein Waller/ kan man ſie wol drey oder vierMonat lang friſch und ſchoͤn mit ihrer Farb bis inWinter hinein behalten. Wann dieſe ſchoͤne Blumennicht ſo ein uͤbelſtinckenden Geruch hätten/ fo uͤbertref-fen ſie alle Blumen mit ihrer Schoͤne. In Africawachſen ſie allenthalben vor ſich ſelbſt/ aber bey unsmuͤſſen fie jaͤhrlich/ wie gemeldet/ von dem Saamenauferzogen werden. Es wachſen alle dieſe Gewaͤchs

G gern in feiſtem und feuchtem Grund/ ſo aber der Saa-

men in ein andern Grund geſaͤet wird/ muß feiner wolmit gieſſen gepflogen werden/ wo man den fortbringen

wil. Man findet faum unter allen Gartentraͤutern eins

das gerner waͤchſt/ als dieſes Gewaͤchs/ ſonderlich aber

das klein/ dann fo man die Zincken und Nebenaͤſtlein

abreiſt/ und wieder in den Grund ſteckt/ fahen ſie bald anzu wachſen/ und werden eigene beſondere Stoͤck dar-

aus/ welches zum offtermal verſucht iſt worden.

Von den Namen dieſer Kräuter.ES haben viel gelehrter Männer dieſe Kräuter vorwahre Geſchlecht des Beyfuß gehalten/ derowegenwir fie auch dem Reynfahrn/ welcher ein Geſchlecht desBeyfuß iſt/ nachſetzen woͤllen/ wiewol fie dem Reyn-

H fahrn weder an Krafft oder Wirckung zu vergleichen.

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Knoͤpfflein verſchloſſen. Die Wurtzel iſt kurtz/ nicht tief

in der Erden/ drauſchelecht mit vielen Nebenzincken.Diß Gewaͤchs kan den Winter nicht erleiden/ verdirbtbald von der Kaͤlt und den Reiffen: Muß alle Jahrvon dem Saamen wider aufgezogen und gezielet wer-den. Das Kraut reucht ſtarck und unlieblich if am Se

ſchmack bitter/ an den Blumen iſt nichts lieblichers

GefůllteSammat-Blumen.

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EinfacheSammat-Blumen.

GefullteSammat-lumen.

dann die Farb/ dann ſie haben gar keinen Geruch.

II. Das ander Geſchlecht iſt dem jetztgemel dten mitKraut und Stengeln durchauß gleich die Blumenaber ſeyn ſchöͤn gefüllt und rund auffgedrungen/ wie einliebliches Roͤßlein. Dieſe beyde Geſchlecht bringen ihreBlumen zeitlich im Ende des Meyens.

1II. Die andern drey Geſchlecht ſeynd dem jetztge-meldten mit Stengel/ Blättern und Wurtzeln durch-auß gleich/ ſeynd aber groͤſſer/ und auch in den Blumenunterſcheiden: Die Stengel werden faſt dreyer Elenhoch. Das erſt unter dieſen hat groſſe einfache bleichgeeleBlumen von acht oder neun Blättern/ am Rand her-umb ein wenig gekerfft. Man findet auch dieſes Geswaͤchs/ das ſchoͤne Goldgeele Blumen bringet.

IV. Die andern zwey Geſchlecht ſeynd ſchoͤn rund/mit vielen doppeln Blumen gefüllt/ das eine mit hüb-ſchen bleichgeelen/ und das ander mit ſchoͤnen Goldgee-

Der Hochgelehrte Medicus, Andreas Lacuna, heltdas groß Geſchlecht fuͤr das Othonnam Dioſcoridis,dieweil aber Othonna in Arabia Troglodyticawachſt,/ auch die Beſchreibung Dioſcoridis mit dergroſſen Thunisblumen nicht durchaus uͤberein ſchlaͤgt/koͤnnen wir ſolches Gewaͤchs nicht für das wahreOthonnam halten/ wie weiter angezeigt werden wird.

Valerius Cordus nennet die Thunisblum Tana-cetum Peruvianum, andere nennens Chryſanthe­ mum Tunetanum . Von den Kräutlern wird es ge-nant Caryophyllus Indicus, Flos Tunetanus, FlosAfricanus, Flos Indicus, Tagetus Indica, und vonConrado Geſuero, Caltha Africana, welche Namendieſem Gewaͤchs ſich wol ziemen/ allein iſt deren Mei-nung gar zu verwerffen/ die da vermeinen/ daß dieſesGewaͤchs Geſchlechter des Reynſahrns oder Beyfußſeyen/ und fie von wegen der ſchoͤnen Blumen/ für unsſchaͤdliche Kraͤuter halten, ſintemal die taͤgliche Erfah-rung zeugnus gibt/ daß fie ſchaͤdliche und giftige Kraͤu-ter/ und derowegen in der Artzney zu meiden ſind.

Daß ich aber auch meine Meinung von dieſen Ge-waͤchſen anzeig/ ſo halt ich gaͤntzlich darfuͤr/ daß die großThunisblum ſey das wahre und recht Lycoperſium,welches Galenus lib. 4. de fimpl. medica m. fac. gedenckt/ und der Centurio wider die ſchmertzliche Glied-ſucht gebraucht hat/ Galenus auch daſſelbige von we-gen feines ſtarcken und unlieblichen Geruchs nicht hatdoͤrffen koſten/ fintemal er es fuͤr ein gifftig Kraut ges,halten hat. Und wiewol Galenus an demſelben Ort

K die Form oder Geſtalt des Lycoperſii nicht beſchrei-

bet/ und doch der unliebliche ſtarcke Geruch/ der demSchirling gleich iſt/ gnugſam anzeigung gibt/ daß es/wie das Lycoperſium gifftig und ſchaͤdlich im Leib zugebrauchen iſt/ fo wil ich es aus folgenden Urſachen fürdas Lycoperſium halten/ ſintemal es demſelben ankrafft und tugend gleich iſt/ und gleiche Wirckung mitdem Lycoperſio hat. Lycoperſjum heiſſet GriechiſchAus noi. Italiaͤniſch Garofano Indiano, und FioreIndiano, Frantzoͤſiſch/ Oeillet Inde, und Reſier d Inde,In Africa heiſt es hedua, Boͤhemiſch/Karaffilat In-dycky/ Flemiſch und Niederlaͤndiſch Thunis Bloem.Engliſch Frenſch Marigold/ oder renn,

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