Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
Entstehung
JPEG-Download
 

Das Erſte Buch/ Von Kräutern,

A ain loͤblich geſund Geblüͤt machet. Es iſt der Fench Ferlichen Voöͤlckern in Thracia fo gemein anf dentaglich in ihrer Speiß gebrauchen daher auch Xeno-

hon in lib. expeditionis Cyri. dieſelbigen Meli-

nophegos, das iſt Fenchfreſſer genennt hat. Das ge-

mein Volck in Franckreich und Teutſchland⸗ ſonder-

{ich aber an denen Orten/ da des Fenchs die Menge

gezlelet wird/ machen gute Brey daraus/ ihr Geſind

und Tagloͤhner darmit zu ſpeiſen/ dann es eine gute

Speiß iſt wie der Hirſchen für grobe ſtarcke Seut/ alsNoͤſcher/Holtloͤſſer⸗ Schmidt/ und andere die ſchwaͤ -

re Arbeit thun muͤſſen/ dann es ſaͤttiget bald. Die

| Frantzoſen kochen den mit Waſſer, Butter oder

Schmaltz/ſieden den zu einem Brey/ falgens darnach/und wann fie den anrichten/ fo beſtreuen fie ihn mit

lich glit eſſen für das Geſind/ ſie thun auch bißweilenein wenig Eſſig darein/ daß es ſaurechtig wird/ ſo iſtes in heiſſer Zeit etwas anmuͤhtiger zu eſſen.

Unſer Baursvolck/ das etwas verleckter iſt/ ſiedenden Fench mit Milch zu einem Brey/ thun Butter undSalh fo viel genug iſt darzu und ſpeiſen darmit ihrHaußgeſind/ iſt kein boͤß Eſſen/ gibt ſehr gute Nah-

c rung und ſpeiſet wol. J

gina. Fench in der Speiß genützt, iſt denen dienlich, dieHuhhi6. Blut ſpeyen/ ſtaͤttge Bauchfluͤß haben/ und die zuin er üibermaͤſſig geneigt find zu der Unkeuſchheit/ deßglei-SEnmenffißz chen auch denen/ fo ſchwache Nieren haben/ und ſo mitfins dem Saamenfluß beſchwaͤret find/ denen der natür-

lich Saamen ohn ihren willen oder aber des Nachts imC Schlaff entgehet. Es dienet auf denen, fo mit kalten H

Catharren und Haubtflůſſen beladen find. 4

Raſius der rahtet/ daß man den Fench mit Milchkochen ſoll doch daß er zuvor ein zeitlang in Kleyen-waſſer geweichet worden ſeye/ fo ſoll er ein gute und

loͤbliche Nahrung geben. ö

SHuniche Pfennichkernen ſauber gewaͤſchen/ darnach mit eis. ner guten feiſten Fleiſchbruͤhen zugeſetzt/ und zweymalſo viel Mandelmilch zugegoſſen/ zu einem bequemendünnen Breylein geſotten/ iſt ein gute Speiß für die -die Haubtwehethum haben von der Gallen. SolcheBreylein find auch dienlich den Lungenſuͤchtigen/ unddenen fo Blut ſpeyen.;

Fenchbreylein geſotten mit friſcher Geißmilch odergeſtaͤhlter Küͤhemilch/ ſind vaſt dienlich wider den roh-

D ten Außlauff und alle andere Bauchfluͤß. Dienen 1Ill gn duch wier die Heſchwaͤr der Nieren und der Blaſen.zin, Man lan auch gleich wie aus dem Hirſchen aller.ſꝑbuär. hand gute Eßlein daraus bereiten.

Rat Rut. Fenchſaamen zu Pulver geſtoſſen und mit rohtem| Wein getruncken/ dienet wider die rohte Ruhr undalle andere Bauchſlüß des tags ʒweymal gebraucht.

| Euſſerlicher Gebrauch des Fenchs.

SBuntneſe W der das Haubtwehe von Kalte: Nim̃ Fench-nm git, Mſaamen ,der nicht geſcheelt iſt zwo. Handvoll/ Nor! ckenkleyen/ Salt/ jedes eine Handvoll/ Salbeyen/

ame, r

Majeran/jedes ein halbes Haͤndlein voll/ Anisſaamen/lorbeern groblechtig zerſtoſſen und Fenchelſaamen/\ jedes ein loht/ roͤſchte fie in einer Pfannen/ thue dieE darnach in ein bequemes Saͤcklein/ und legs fo warm Kuͤber das Haubt/ cſo warm du es erdulden magſt.SJenchſaamen der nit geſcheelet iſt ij. theil/ mit krau-ſem Balſamtraut und rohter aufgedöͤrꝛter Roſen/ jederj. handvoll geroͤſcht/ darnach in ein leinin Saͤcklein. gethan und uͤber den Magen gelegt/ leget das kotzen(ihteche. und erbrechen: Wann das Saͤcklein kalt wird/ fowaͤrme es wieder auf einem heiſſen Ziegelſtein mit gu-tem Weineſſig beſprengt/ und legs wieder auf/ das thufo lang biß das brechen nachlaͤſſet;QUngeſcheelten Fenchſaamen zwey thal/ mit Saltz-Kleyen und Dillſaamen, jedes ein theil in einer Pfan-nen geröſcht/ darnach in ein Saͤcklein gethan und

|

.

66

warm über den Magen gelegt/ vertreibt den Schmer⸗ Schmertßen von Winden und Kalt verurſachet. ö

Fenchlaamen ij cheil mit einem theil Salt obge, Cahnnrhmeldter maſſen geroͤſcht/ vertreibt den Schmertzen und und Clechenſtechen der Seiten in einem Saͤcklein warm berge, der Seiten.legt. Gleicher geſtalt gebraucht ſtillet es allen ſchmer-ten/ er ſeye am Leib wo er woͤll/ von Kaͤlt und ſchlei-

ONE äher Feuchten verurſachet/ vertreiber auch das Krimmen.rimmen.

Ungeſcheelten Fench ij. theil, mit Saltz/ Rocken⸗ Aufblaͤhenkleyen und Matckümmel/ jedes ſ. theil, obgemeldter bes deins.maſſen geroͤſcht, und warm uber den Leib gelegt/ ver-treiber das Aufblaͤhen deſſelben/ und zerthellet dieWinde.

Wider das Krimmen und Reiſſen in den Daͤr⸗ Frimmen.

B klein geſchnittenem Leuchel und Dillkraut/ iſt ein zim⸗ G men: Nim̃ ungeſcheelten Fenchſaamen vier handvoll/

Chanmnillenblumen/ Fiſchtümmel/ Dillſaamen/Rau-ten/ Poleyentraut/ jedes j. handyoll/ Saltz zwo hand-voll/ Aenisſaamen/ Wolgemuht jedes ein halbe hand-voll, roͤſchte ſolche ſtůck zuvor klein geſchnitten uͤberdem Feuer in einer eiſernen Pfannen, thue fie in einbequemen Sack/ und lege den/ fo warm du es leidenkanſt/ iber den Bauch..

Wider die übrige Feuchtigkeit der Durchſchlechten Purxeln.oder der Purpeln/ ſtreue rein gepuͤlverten Fench aufdie Ceilachen/ darauf die Krancken ligen.

Wider das aͤuſſerlich ſchwaͤren und verwundung Euſſetlichder Nieren und des Růͤckens, vom ligen und langwi, hn e nrigen Kranckheiten: Nim̃ Fenchmeel ein gutt theil, bung derNoſen oder Myrrhenoͤle ungefehrlich auf vj loht/ ſeude,ö. n,. Pflaſter/ ſtreichs auf ein leinen Tuch/ und bon ligen.egs über.

Fenchmeel mit Wein und dem ſauren Honig ſyrup ö Aceto mulſo, mit genugſamen Butter und ein wenig. detTerpentin zu einem Pflaſter geſotten, vertreibet den Gemächt.ſchmertzen und Geſchwulſt der Semaͤcht/ auf ein Tuchgeſtrichen und warm übergelegt.

Ungeſcheelten Fench ij theil, mit einem theil Saltz Geluͤſt zunmin einer Pfannen geroͤſcht, und in ein Saͤcklein ge, Stulgang.thar/ iſt gut wider die Geluͤſt zum ſtulgang/ welches

mit einem andern Namen der Arszwang genennet

wird/ warm Über den Hindern gelegt/ oder aber dar-

auf geſeſſen/ fo derſelbtg von Kälte iſt verurſachet

worden.

Fenchſaamenmeel und Bonenmeel/ jedes drey Un⸗ Allerhandgen mit genugſamer Geißmilch und ſchweinenſchmaltz Schmern.zu einem Pflaſter geſotten/ vertreibt alle ſchmertzen/ fieſeyen am Leib wo fie woͤllen, und auch die ſchmertzendes Zipperleins und der Gliedſucht.

Fenchbrot. Panicaceus Panis.Wan hat auch vor alten Zeiten aus dem Fenchmeel

Bro gebacken/ wie Bioſcorides lib. 2. cap. S6.beze uger/ wie es dann von ihme unter das Gerrätd oderKornfruͤcht iſt geſeht worden/ welche Gewohnheit hen,tiges Tages noch auf uns geerbt iſt/ und wird ſonder-lich in theurer Zeit an den obgemeldten Orten/ da desFenchs viel geztelet wird/ von dem gemeinen MannBrot daraus gebacken/ das wird aber trucken/ unge-ſchlacht und zerriebelt ſich bald/ ſintemal es kein fetteoder ſchleimerichkeit in ſich hat/ die daſſelbig zuſammenhaltet/ wie anderer Getraͤid Brot. Solches Brot kuͤh-

let ſehr/ truck net und machet den Leib veſt if ſchwaͤrlich

zu verdaͤuen/ der groß Hunger aber/ welcher wie manzu ſagen pflegt/ ein guter Koch iſt/ der machet daß esleichtlich verdauet wird/ darzu auch Ott der HErꝛ/ein Herꝛ der Natur/ ſeinen Segen gibt.

Das XXIX. Cap.Von dem Sorgſaamen.

D Sorgſaamen, welcher auch Indiani, Sorgſaamen

ſcher Hirſchen genennet wird, iſt ein fremdTW Gewaͤchs( K kurtzen Jahren zu unsö ff

aus