XXVI
Einleitung.
Wenn Kultur Aufllärung hervorbringen soll, so müßendie zwey folgende unzertrennbare Mittel angewendet werden.Die Entwickelung und Bildung der Geisteskräfte , beyder Jugend aller Klassen, ohne Unterschied,s'. Die Abschaffung der allzubcstimmten Zwangsformel derDenkungsart. Es mögen die kultivirtcn Köpfe so vielschreiben und lehren als sie wollen , wenn sie nur demLaster nie das Wort reden. Wahre Irrthümer werdenbald widerlegt/ und dann erscheint die Wahrheit nochglänzender / und vor ferneren Anfechtungen noch sichererals jemals.
Das erste Mittel nenne ich das wcrkzcugsmittel der Auf-klärung ; und das zweyte/ das Vocrathomiltel derselben.Beyde müßen zusammen gehen. Das letztere ohne das erstere/häuft nur Gedanken auf Gedanken / ohne Wahl / Zusammen-hang und Bestimmung. Das erstere ohne das letztere bringtwohl Spezialrichtigkcit zuwege / aber auch zugleich allgemeineEinschränktheit.
Die bey uns neucingcführtc Erzichungsart / läßt keine glück-liche Aussichten vorsehen / wenn nicht dem Uebel schleunigstvorgcbogcn werde. Die Jugend ist nicht/ was die Männer inihrem Alter gewesen sind. Schon bey einigen wird man einenTon gewahr / der Selbstgefühl offenbaren soll, und nur Leer-heit verräth. — Ein Wort über Selbstgefühl/ welches / wennes ausartet/ der Aufklärung so gefährlich seyn kann.
Selbstgefühl/ Bescheidenheit und Demuth sind drey Tugen-den/ die darum übereinskommcn/ daß diejenigen/ die sie besitzen/sich selbst kennen. Allein Selbstgefühl empfindet mit besonde-rem Gefallen/ was man gilt/ und mag es gern den Leutenzu verstehen geben. Es gränzt nahe an Eigendünkel / Einbil-dung / Eigensinn und Hochmuth. Bescheidenheit empfindetzwar auch/ was man gilt/ aber zugleich/ was uns gebricht/zweifelt ehcnder an das erstere als an das letztere / bis dasZeugniß der andern ihm den Zweifel benehme. Demuth cm-