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dem Erzbischof von Besannen stand, so dass der geistliche Lan-desherr im eigenen Lande in kirchlichen Angelegenheiten eigent-lich Nichts zn sagen nnd keine bischöflichen Functionen auszuübenhatte, die nicht auf Befehl des Erzbischofs angeordnet waren. Nachder französischen Revolution kam der grösste Theil des Bisthumsan Frankreich nnd nach dem Sturze Napoleons I. wurde es zer-stückelt, und erhielt. Bern am Wiener Kongress den Löwenantheil,Baselsladt einige Vogteien, die dann später an Baselland fielen(Pfeffingen, Aesch , Arlesheim, Birseck), und das GrossherzogthumBaden die Vogtei Schliengen .
Zwischen Bern und die Eidgenossenschaft einerseits, Frank reich und Deutschland andrerseits mitten hineingepresst, hatte sichdas Fürstbisthum oft genug allen möglichen Ansprüchen von Seifender mächtigem Nachbarn zu erwehren und stand deshalb in engeremAnschluss an Bern und die eidgenössischen Orte, beschickte auchdie Tagsatzung, und hatte auf der andern Seite als Glied des heil,römischen Reichs Sitz und Stimme im deutschen Reichstag. Alssouveräner weltlicher Fürst hatte der Bischof natürlich auch alleMaassnahmen in sanitätspolizeilicher Hinsicht, in seinen Landen zutreffen und wir finden daher im allen fürstbischOflichen Archivim Prnntruter Schloss eine Unmasse von Mandaten und Korrespon-denzen, die Pest betreffend, auf welche Verordnungen wir etwasspäter zurückkommen werden.
Was nun genauere Daten der Pestepidemien im Fürstbisthumbetrifft, so gieht. das Archiv nicht viel Aufschluss lind höchst spar-same Mittheilungen. Wir finden als Pestjahre in Pruntrut ver-zeichnet die Jahre 1468, 1469, 1491, besonders aber 1530, 1568,1575, 1582, 1610, 1630, 1633, 1635, 1636, und während des30jährigen Krieges, worunter das Bisthum unendlich zu leidenhalte, hei welchen Epidemien es sich aber wahrscheinlich eherum Typhus und andere Lagerseuchen als um eigentliche Pest han-delte. Im Jahre 1633 wurde der obere Stadttheil von Pruntrut mit solcher Intensität von der Pest ergriffen, dass man dies Quar-tier gegenüber den andern Stadtquartieren verbarrikadirte und zurErinnerung an diese schwere Zeit wurden bis zum Jahre 1792alljährlich geistliche Processionen um jenen Stadttheil herum ab-gehalten.
Eine interessante Episode, die Pest; von 1530 betreffend, aus