Buch 
Die Pestepidemien im Fürstbisthume Basel / von Dr. Schenker in Pruntrut
(Schweiz)
Entstehung
JPEG-Download
 

340

Sterben wollten ihm die Bauern gewähren. Endlich nahm sicheine Wiltwe des schonen vornehmen Herrn an, bereitete ihm einLager in ihrem Haus, wo er am nämlichen Tage starb und zuMünster begraben ward. Seine Frau, die genesen war, kam, nach-dem sie ihres Mannes Tod vernommen, zu Plater nach Basel , umihn zu bitten, da Epiphaneus gar nichts hinterlassen und Platerdas einzig Werthvolle, das Arzneibuch, an sich genommen, um eszu copiren:er sollt ir nur die Purgatz gönnen mit den Bossulinen,damit wyste sie sich zu erneren; sie hat also nur um die Copieeines Receptes, damit sie sich ihren Lebensunterhalt verschaffenwollte. Nachdem Plater das Buch copirt, überliess er es den zahl-reichen Gläubigern seines Herrn an Geldesstatt.

Diese hübsche Erzählung Thomas Platers ist besonders des-halb merkwürdig, weil sie zeigt, dass auch bei den gebildeten, vor-nehmen Ständen in Pestzeiten alle Bande der Familie sich löstenund der krasseste Egoismus nackt zu Tage trat. Wenn die Furchtvor der Pest sogar Aerzte in dem Maasse ergriff, dass sie seihst,um sich zu retten, die eigene Frau hiilflos zuriickliessen, wie musses dann hei andern Ständen ausgesehen haben!

Aus dem Jahre 1568 finden wir ein Schreiben des BischofsMelchior, datirt aus Schloss Delsherg, dem gewöhnlichen Zufluchts-orte der Bischöfe in Pestzeiten, an den Bürgermeister von Prun-trut, worin erwähnt wird, dass bis dato 10 oder mehr Personenan der Pestilenz in Pruntrut erkrankt seien, und ausserhalb derStadt, in das Siechenhaus, den alten Spitel, das als Absonderungs-haus galt, transportirt wurden. Aus dem Jahre 1575 erlässt dernämliche Bischof ein Schreiben an Bürgermeister und Rath derStadt Basel , in dem er anzeigt, dass die Pest in und um Pruntrut herrsche und sie bittet, den Jahrmarkt, der in Pruntrut abgeh altenwerden sollte, hei ihrer Bürgerschaft zu widerrufen.

Aus dem Jahre 1582 liegen verschiedene lateinisch geschrie-bene Briefe des Bischofs Jacob Christof von Blarer vor, welcheer theils an den Erzbischof von Besancon , theils an den Bürger-meister von Pruntrut , theils an den Stadtpfarrer dieser Stadt, richtet;in einem der Schreiben wird von 50 Todten innerhalb kurzer Zeitgesprochen. Der Bürgermeister von Pruntrut. hatte sich hei demBischof beschwert, dass die Geistlichkeit ihre Pflicht nicht thue,indem sie nicht, zu den Pestkranken gehe, denselben die Sakra-