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ineute nicht verabreiche und dabei besonders den Stadtplärrer vonPruntrut , Basuel, demmcirt.
Bischof Jacob Christof, der thatkräfligste und energischste inder langen Reihe der Fürsten und derjenige, der auch verhinderte,dass Pruntrut , das Itelsherger- und Laufenthal zur Reformationübertreten, wie sie grosses Gelüste hatten, richtet nun folgendenBrief an den schuldigen Pfarrer, der in wörtlicher Ueberselzungfolgendermasseu lautet:
„Wie haben erfahren, und zwar nicht ohne grosse Bekümmerniss, dassdu zugleich mit deinem Vikar in dieser gefährlichen Contagionszeit in denMauern von Pruntrut , dessen Seelsorge dir übergehen ist, die heilsamen Sakra-mente und besonders das hl. Viaticum aus schrecklicher Furcht vor dem Todenicht spenden willst, was bewies, dass du wahrhaft kein Hirte, sondern einSchwelger, schlimmer als ein flüchtiger Ilienslknecht hist, der, wenn dieSachen gut verlaufen, alle Vortheile geniesst, in schlimmen Zeiten aber das,was seines Amles ist, nicht leisten will.
Wir befehlen also, dass du und dein Vikar alle und einzelne an derPest erkrankte besuchest und denselben die Sakramente der Kirche nach her-kömmlicher Weise ertheilest, damit keine fernere Klage zu uns dringe. Wirwerden dafür sorgen, dass dir die schuldigen und vom Recht vorgesehenenStrafen von den Obern und uns auferlegt werden. Damit übrigens nicht bisjetzt gesunde Menschen Furcht vor deiner Gegenwart befällt, befehlen wirdir, dass du dich in deinem Hause aufhaltest, dass du schnell einer Berufungfolgest und nicht öffentlich zum Zeitvertreib herumlaufest.
Und damit dir aus diesem Grunde zur nothwendigen Aufrechlerhaltungniehls abgehe, haben wir den Vorgesetzten dieser Stadt geschrieben, dass siefür dich nach vorgeschriebener Weise sorgen. Indem du diesem Befehl schnellgehorchst, wirst du mich befriedigen.“
Das ist ein scharf gepfefferter Hirtenbrief, der gewiss hätteden gewünschten Eindruck machen sollen; der Pfarrer gehorchteaber dem Befehl nicht, auch nicht einem zweiten noch dringen-derem Schreiben des Bischofs, sondern schickte seinen Vikar zudem Kranken, welcher dann auch der Pesl erlag; darauf erfolgte dieKlage des Bischofs an seinen geistlichen Obern, den Erzbischof vonBesannen und der renitente Plärrer wurde abgesetzt. Es scheintübrigens, nach dieser Correspondenz zu urtheilen, dass auch diePlärrer der benachbarten Dörfer, welche von der Pest heimgesuchtwaren, ihre Seelsorge sehr leicht nahmen und die Kranken nichtbesuchten, weshalb Bischof Jacob Christof in einem andern Schrei-ben an den Bürgermeister von Pruntrut denselben in dieser Be-ziehung zu genauer Aufsicht ermahnt. Folgendes Schreiben desFürsten an den Bürgermeister zeigt seine landesväterliche Fürsorge:
„Es kommt zu unserer Kenntniss, dass sich Bürgermeister und Rathsammt ganzer Bürgerschaft unserer Stadt Pruntrut höchlichst beklagen, dassman draussen (in den Dörfern) ihnen etwas zuzuführen verboten und dieses