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Verbot wieder erneuert habe; es ist uns aber nicht zuwider, dass unsereUnterthanen auf dem Land Jenen (den Sladtleuten) alle Nothdurfl mit Ord-nung' zufülireu, doch dass sie nicht in die Stadt ziehen, und dass, wenn siemit Jenen in der Stadt handeln und feilschen, sie weit von ihnen wegstehen,damit die Bauern nichts von der Seuche erben und solch gefährliche Krank-heit sich nicht ausbreite.“
Auch später noch ist die stete Klage der Bewohner von Prun-trut, dass zu den Zeiten, als tlie Pest in der Stadt herrschte, be-sonders auch int Jahr 1610, die Landleute aus Furcht vor An-steckung keine Nahrung Zufuhren wollen, so dass es immer neuerErlasse der Bischöfe bedarf, damit sich nicht in der Stadt zumSchrecken der Seuche noch Ilungersnoth geselle.
ln einem Schreiben, datirt vom 12. November 1610 (wiedervon Delsberg aus), zeigt sich Bischof Wilhelm, der Nachfolger vonChristof von ßiarer, sehr entrüstet, dass er vernehmen musste,wie sie in den Dörfern draussen* keinen Bürger von Pruntrut , deretwas Nahrungsmittel kaufen will, einlassen, dass sie dieselben so-gar mit Steinen bewerfen, so dass die Bürger fast Hungers sterbenmüssten; er fährt fort:
„Deshalb will er mandiren und befehlen, dass Ihr Eure erhärtete Herzenin christlich mitleidige Gemüther verändert, und, obschon Ihr nicht in dieStadt selbst kommen sollet, ihnen doch die Nothwendigkeit an Früchten,Weinen, Holz, Salz und andern Viclualien von Weitem gegen billige Bezah-lung zuführen sollt. Wir gebieten und verbieten auch liiemit, dass Niemandaus unsern Dörfern und Flecken unserer Herrschaft Pruntrut ausserhalb dieserHerrschaft Nichts von dem Nothwendigen fortführen, veräussern noch ver-kaufen solle.“
lu einem spätem Schreiben ordnet er an, dass die Landleuteihre Produkte auf die Matten vor den Thoren in einer gewissenDistanz von der Stadt führen und den Bürgern von Weitem Zu-rufen sollen, wie viel Jedes koste, auf dass dann die Bürger ihnendas Geld zuzuwerfen und die Waaren nach Abzug der Bauern ab-zuholen hätten; ein ziemlich schwieriges Handelsgeschäft, das sichauf Distanz mit grossem Geschrei abwickeln sollte.
Aus dem Jahr 1610, dem stärksten Pestjahr für Pruntrut (auchfür Basel ), sind viele Briefe des Bischofs an Bürgermeister und Rathvon Pruntrut vorhanden, in denen er, der schlimmen Zeiten wegen,Rath und Aufmunterung spendet. Am 4. November schreibt ervon Delsberg aus dem Bürgermeister, letzterer solle sich wegenausgebrochener Pest nicht fürchten, solle gute Ordnung halten,die Armen unterstützen, damit sie nicht Hungers sterben, und janicht selbst ausreissen. Ei - , der Bischof, sei nicht seiner eigenen