Buch 
Die Pestepidemien im Fürstbisthume Basel / von Dr. Schenker in Pruntrut
(Schweiz)
Entstehung
JPEG-Download
 

361

nicht auch zur Abwechslung eine Jagd auf die Parias der Men-schen, wobei es denn auch au furchtbaren Rohheiten von Seitender Treiber nicht gefehlt haben mag! Wir haben an dem obigenMandat der Berner Regierung gesehen, wie aufmerksam die Re-gierungen auf die in ihrem Gebiet herumstreifenden Bettler, Strolche,hausirende Juden und Deserteure waren, welche die Pest aller-dings von weiter Ferne her einschleppen konnten, und wie denWirthen und abgelegenen Haus- und Hofbesitzern verboten wurde,solchDiebs- und Bättelgesindel zu beherbergen oder nicht zurAnzeige zu bringen. Es scheinen aber alle gedruckten Verord-nungen und die im Kleinen veranstalteten Patrouillen und Razzias von Seiten der Polizei und der Dorfbewohner an entlegenen Stellennicht viel gefruchtet zu haben, wesshalb verschiedene Kantonegemeinsam zu verschiedenen Zeiten solche Betleljagden oder viel-mehr Bettlerjagden en gros verabredeten.

Eine solche wurde unter Anderen auf den 7., 8. u. 9. Okt.1720 unter den Kantonen Bern , Basel , Solothurn und Luzern unddem Fürstbisthum Basel projectirt und ausgeführl, wobei das Militärund die Polizei unter Mithülfe der Landbevölkerung alle gefunde-nen Bettler, Strolche und hausirenden Juden aus den betrellendenTerritorien an die Grenzen jagte, weiche ja in jedem Kanton be-wacht waren. Nun standen die armen Leute allerdings au denGrenzen der betreifenden Kantone, welche damals vollständigeSouveränität besassen, aber wohin nun mit dem zusammengetrie-benen Wild? Ja, das war die Frage, die den souveränen kantonalenRegierungen auch viel Kopfzerbrechen machte und eine lebhafteCorrespondenz zwischen den verschiedenen Orten hervorrief. Mankonnte sich endlich dahin einigen, dass die eidgenössischen Bettlerauf dem kürzesten Weg in ihre respeclive Heimath spedirt, dieFremden, auch die Italiäner, an die Grenzen der MarkgrafschaftBaden geführt werden sollten. Solothurn wollte die in ihremGebiet gefundenen elsässischen Bettler bis zum Hauenslein geleiten,wo sie von den Baslern in Empfang genommen, weiter spedirtund direct ins Eisass geführt werden sollten; hiergegen sträubtesich aber Basel und auch die elsässischen Behörden wollten ihreBettler nicht aufnehmen, daher dann alle Fremden sammt denElsässern in die Markgrafschaft Baden gejagt wurden. HeitereBetteljagd!