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sollen durch Purgirmittcl Darmentleerungen verursacht werden,und wenn nun der Körper auf diese Weise vorpriiparirt ist, rücktnun der Arzt dem Feinde näher auf den Leib, und, mit denbesten spezifischen Mitteln ausgerüstet, wird er vorwärts schrei-ten und die Invasion eines so schrecklichen Feindes verhindern.“Diese spezifischen Mittel sind nun aus dem vegetabilischen, ani-malischen und Miueral-Reicli genommen. Aus den Vegetabiliensind Hauptmittel: Radix Angeld, Ilelenii, Tormentilla, Absynthia,Arthemisia, Carduus benedictus, Veronica, Rosmarin, Myrrha, cheli-donium, mortus diaboli, fol. Jugland., so dass damit unzählige Re-cepte bereitet werden. Zugleich werden die getrockneten Rlätterdieser Pflanzen in einem kleinen Säckchen auf der Brust getragen.
Das berühmte Antidot des Mithridates, das viel angewandtwird, besieht aus aceto jugland. virid., carnar. pinguis, fol. rutae,extract. angelic., Helen., bacc. Junip. Ein Hauptmittel war auchder Campher, „der gleichsam im Innern des Körpers brennend,durch die innere Wärme angezündet, die infizirte Luft im Körperverbrennt, welche durch stinkende Miasmen vergiftet worden oderden durch irgend welchen fötid gewordenen Athem.“ In berühm-ter Anwendung waren ferner Myrrha und Weihrauch, pulverisirtmit Beimischung von extract. croci in heissem Mörser zu einerdicken Flüssigkeit umgerührt und zu erbsengrossen Pillen geformt.Von animalischen Mitteinstanden im grössten Rufe unicornumverum, cornu Rhinozeroti, die letzten Spitzen vom Hirschgeweih,gepulvert und besonders os de corde cervi, d. h. die verknöchertenKnorpel an den Herzklappen des Hirsches. Diese Dinger galtenals unfehlbar und wurden sehr theuer bezahlt. Ueberhaupt sehenwir aus einer Receptsammlung, wobei die Preise der jeweiligenRecepte angegeben sind, dass sich die Apotheker zu diesen Zeitenwohl befunden haben müssen. Ein Gulden für ein Recept, dasnoch lange keinen gepulverten Edelstein enthielt, eine für jeneZeit ziemlich bedeutende Summe, wo der Schulmeister nicht 30 Gul-den jährliche Besoldung hatte!
Dem Mineralreich angehürend finden wir viele Heilmittel, vondenen ein Theil allerdings nicht allen zugänglich war und auchfür den Apotheker einen sehr kostbaren Vorrath verlangte. Zuerstkam der Schwefel, dann Vitriol, die flores sulf. hauptsächlich, welchemit aromatischen Kräutern wie Myrrha und Aloe etc. gemischt