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Die Pestepidemien im Fürstbisthume Basel / von Dr. Schenker in Pruntrut
(Schweiz)
Entstehung
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Wir könnten diese Proben aus den Ansichten der alten Aerzteüber Wesen und Natur der Pest, über ihre Zeichen etc. nochhundertfach vervielfältigen, wir drängen aber zum Schlüsse unsererschon zu lange gewordenen Abhandlung und wollen nur nochEiniges über Behandlung der Pest beifügen.

Alle älteren Autoren machen einen bedeutenden Unterschiedzwischen der Behandlung in den Präservativmassregeln und dercuratio der einmal ausgebrochenen Krankheit selbst. Der Arznei-schatz der frühem Jahrhunderte war nun so kolossal, die Apothekeein so blühendes Geschäft, dass wir es uns versagen müssen, auchnur den kleinsten Theil der verordnten Mittel zu nennen, diean äusseren Werth von carduus benedictus, tormentill etc., vonden allergewühnlichsten Kräutern bis zu gepulverten Edelsteinen,Saphir , Bubin, Perlen etc. ansteigen und uns darauf beschränken,nur einiges mehr oder weniger Charakteristische hervorzuheben.

Deodatus, nachdem er von der Nothwendigkeit der Fluchtgesprochen für die, welchen es ihre Geschäfte erlauben, zu fliehen,fährt fort: Man gehe nicht, ausser gezwungen, und dann selten,aus dem Hause, und derjenige, der auszugehen gedenkt, bestreueund wasche den Mund, den Puls, die Handwurzel, selbst die Nasen-löcher, mit einem der zahlreichen Parfüms, und, wohin er immergehe, trage er im Mund eine kleine Portion von Angelica, Zedu-aria, rad. Helenii, Petasis oder Myrrha. Er schlucke 12 Campher-körner herunter, reibe einen mit Ambra parfiimirten Apfel in denHänden herum, oder trage ein kleines Sträusschen mit einemTropfen irgend eines wohlriechenden Oels oder weissen Ambra,oder Wachholder- oder Erdöls imprägnirt. Man sieht, der Parfümist nach verschiedenen Börsen berechnet.

Vor Allem aber soll bei kräftigen, robusten Menschen alsPräservativmittel ein Aderlass vorgenommen und soviel Blut ent-leert werden, als die Kräfte es erlauben. Dadurch werde das Blutgelüftet, die übrig gebliebene Masse werde sich nicht so leichtentzünden, die Pestkeime nicht so leicht aufgenommen werden.Ist die Person nicht kräftig genug, sollen Skaritikationen, Schröpf-küpfe den Aderlass ersetzen. Auch Fontanellen, Vesikantien, Sina-pismen werden bei Behandlung der Pest statt des Aderlasses an-gewandt,da sie merklich und continuirlich die vergifteten Säfte,sowie auch unmerklich die vergifteten Dünste entleeren. Nachher