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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Von zwei Seiten her kamen nun Störungen dieses Zustandes.

Nicht beiläufige Störungen. Sondern das Eingreifen über-legener Gewalten mit dem Willen, die Kelten zu bezwingen.Diese Gewalten waren auf der einen Seite Rom , auf der anderndie Germanen.

Was dabei durch Rom geschah, war ein Teil seines welt-geschichtlichen Werkes: der Romanisierung von Westeuropa .

Rei den Germanen handelte es sich um ein ähnlich grossesUnternehmen. Nur dass hier das staatsmännisch Bewusste fehltund dass bestimmte Ziele des Handelns nicht immer erkennbarsind. Dass wir hier überhaupt, an Rom messend, keine politischeReife und keine Zivilisation sehen, deren Segnungen auf dieUeberwältigung folgen könnten. Es sind Barbaren , die sich er-heben. Was sie treibt, ist im Einzelnen vielleicht eine bestimmtekriegerische Unternehmung. Im Grunde aber waltet derselbenicht zu bändigende, halb unbewusste Drang, der vierhundertJahre später in der sogenannten Völkerwanderung die Welt er-schüttert und erneut.

Hier im Eisass und jetzt, fünfzig Jahre vor der GeburtChristi, liegt die unermessliche Wirkung des Vorganges darin,dass die beiden Bedränger der Kelten, Rom und die Germanen,nun selbst aufeinander stossen und miteinander zu tun bekom-men. Neben dieser Tatsache fällt das Geschick des Keltenvolkesnicht in Betracht.

Wenn wir absehen von der Episode der Kimbern und Teu-tonen in Italien in den Jahren 102 und 101, so ist das, was sichjetzt vor unsern Augen vollzieht, der erste Zusammenprall zwi-schen Deutschen und Römern. Er geschieht auf dem Boden desElsasses. Indem die Germanen hier den Rhein überschreiten,beginnen sie ihre Geschichte und treten in den Kampf mit derrömischgriechischen Welt.

Zunächst traf die germanische Kraft die Kelten.

Oestlich vom Rheine hatten die Germanen die Helvetierverdrängt; auf dem linken Ufer war ihnen jetzt die Entzweiungkeltischer Stämme günstig, der um die Hegemonie streitendenSequaner und Häduer.

Auf den Ruf der Sequaner und in ihrem Solde kam derdeutsche Fürst Ariovist mit einem Heer über den Rhein . In der

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