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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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digen Tributs und forderten Rückgabe ihrer Geiseln. Als Ariovistdeswegen die Häduer angriff, erhob Cäsar Einsprache. Er ver-langte, dass Ariovist mit den Häduern Frieden halte, die Geiselnihnen zurückgebe und sich überdies verpflichte, keine Germanenmehr über den Rhein zu rufen. Der deutsche Fürst antwortetedem römischen Statthalter «im Vollgefühl ebenbürtigen Rechtes:ihm sei das nördliche Gallien so gut nach Kriegsrecht unter-tänig geworden, wie den Römern das südliche. Wie er die Römernicht hindere, von den Allobrogen Tribut zu nehmen, so dürftenauch sie ihm nicht wehren, seine Untertanen zu besteuern».

Wo Forderung und Ablehnung derart lauteten, konnten nurdie Waffen entscheiden. Und sie entschieden. Die geübte Kraftund Tüchtigkeit der Legionen, die Feldherrnkunst Cäsars gabenden Ausschlag für Rom .

In Eilmärschen drang Cäsar vor und sicherte sich zunächstden Resitz der Sequanerstadt Vesontio (Besangon).

Ein unvergleichliches Dokument ist der Bericht, den Cäsarselbst über diesen Feldzug erstattet hat. Durch die ruhige gefäl-lige Schlichtheit dieses Rapportes hindurch fühlen wir unmittel-bar das bewegteste Leben. Voll Kraft und Wahrheit diese Bilder:die Eingeborenen, die dem Cäsar warnend den grausamen jäh-zornigen Barbar Ariovist schildern; die Legionäre, die mutloswerden, weil sie gegen diese noch nie bekämpften Germanenziehen sollen, gegen die Männer von ungeheurer Körpergrösseund unglaublicher Tapferkeit, vor deren blitzenden Augen schonNiemand bestehen könne.

Aber auch hier wieder siegte Cäsars einzige Persönlichkeit.Er brachte seine Leute in Ordnung, gab sie sich selbst wieder.Durch die Senke von Beifort führte er sein Heer. Nach siebenMarschtagen fand er in der Gegend zwischen Mülhausen undColmar das Heer der Germanen unter König Ariovist.

Noch einmal ward hier eine Verständigung gesucht. Aufeinem das weite Blachfeld überragenden Hügel trafen sich diebeiden Führer zur Verhandlung.

Gerne vergegenwärtigen wir uns auch diesen Moment, dahier über der elsässischen Ebene die beiden Männer beisammenstehen. Staatsmann und Feldherr höchster Art, voll Anmut undgenialer Ueberlegenheit der Eine; ein stolzer, auf die Kraft un-

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