nischen Völker und die Vernichtung der Armee des Varus imJahre 9 nach Christi Geburt machen dem grossen Unternehmenein Ende. Auch die Feldzüge des Germanicus, Sohnes des Drusus,bringen keinen entschiedenen Erfolg. Im Jahre 16 ruft Kaiser Tiberius den Germanicus vom Kommando ab; dass er ihm keinenNachfolger gibt, bedeutet Verzicht auf weiteres Vordringen, Be-schränkung auf die Defensive am Rhein .
Es ist eine völlige Aenderung der Politik. Wohl aus der Er-wägung kommend, dass die mit einem so gewaltigen Unter-nehmen verbundene Konzentration von Macht in einer Handder Stellung des Kaisers nachteilig werden könnte. Rom gibt dieHerrschaft im nördlichen Germanien auf.
Von jetzt an sind die Grenzen Roms im Norden der Rhein und die Donau .
Während aber am untern Rheine diese Begrenzung festgehal-ten wird, entsteht am obern Rhein ein rechtsufriges Vorland.Kaiser Vespasian (69—79) dringt hier vor und nimmt das obereNeckargebiet in Besitz. Die Reichsgrenze wird vorgeschoben undseit Kaiser Domitian (81—96) eine Verbindung der Standlageram Rheine mit denen an der obern Donau hergestellt. Das sol-chergestalt vorgelagerte Gebiet ist das Dekumatenland, die um-schliessende Sicherung der Limes , der Grenzwall. Das Ganze einZustand, der mit unaufhörlicher kriegerischer Erregung die zwei-undeinhalb Jahrhunderte nach Augustus erfüllt.
Zuletzt muss Rom auch hier am Oberrheine vor dem un-hemmbaren Andringen der Germanen weichen. Der gewaltigeGrenzschutz und das ganze Vorland müssen preisgegeben werden.Um die Mitte des dritten Jahrhunderts geht das rechte Ufer ver-loren. Der Rhein wird wieder Grenze, wie er zu Cäsars Zeitengewesen war.
Wir halten hier inne zu einem Blick auf das grosse undmerkwürdige Faktum dieser Völkerbewegungen. Es sind Vor-gänge, die lebendiger als irgend etwas anderes den Unterschiedklar machen zwischen der Mannigfaltigkeit, Leidenschaft undUnruhe dieser germanischen Menschenmassen und dem festenGeschlossensein und Beharren des römischen Staatswesens; aberauch den Gegensatz dieser rohen Jugendlichkeit und FrischeGermaniens zum Altern des Cäsarenreichs. Wir versuchen sie zu
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