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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Unternehmen abbrach. Bei ihm auch vernehmen wir in der durchCäsar überlieferten Aeusserung der Gallier den Unwillen einesVolkes, in dessen Land ein anderer, zu Hause verdrängter Stammeinzubrechen sich anschickt.

Jedenfalls lag es im Interesse Roms, diesen Zug zu hemmen.Cäsar wehrte den Helvetiern den Pass. Mit einer rasch gesam-melten Armee griff er sie an und überwand sie in der Schlachtbei Bibracte (Autun ). Die nach dem blutigen Kampfe noch übrigwaren, mussten nach Helvetien heimkehren. Zugleich wurdedieses Land der römischen Provinz einverleibt und den Bewoh-nern auferlegt, an ihrem Ufer das Römerreich gegen die Ger-manen zu decken.

Sofort hieran schloss sich die schon geschilderte VertreibungAriovists.

Auf solche Weise, im ersten Jahre der gallischen Statthalter­ schaft Cäsars , im Jahre 58 vor Christi Geburt, war die Rhein-linie für Rom gewonnen. Der Rhein wurde Grenze des römischenReiches gegen die Germanen. Er ward zugleich die Grenze Gal­ liens . Die Wirkungen dieser Tatsache empfinden wir noch heute.

Von der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts anist das Eisass römisch beherrscht und zum Teil römisch bewohnt.

Den Zustand dieses römischen Elsasses werden wir nochkennen lernen. Aber schon hier ist zu sagen, dass dieser Zustand,bei allem Gedeihen des Landes, nicht ein ruhiges Arbeiten undGemessen, kein behagliches Provinzleben war. Sondern meistdas Leben eines Grenzlandes, das beständig bewegt und oft tieferschüttert wurde durch die Berührungen mit dem feindlichenNachbar überm Rheine . Das Eisass hatte Sammel- und Ausgangs-punkt zu sein für die Kriegszüge, die ins Germanenreich gingen;aber es war auch Angriffen und Einfällen in der vordersten Linieausgesetzt.

Wir rekapitulieren rasch die Hauptdaten dieser Ereignisse.

Der germanische Feldzug des Drusus, Stiefsohnes des Kai-sers Augustus, in den Jahren 139 vor Christi Geburt, bringtdas Gebiet zwischen Rhein und Weser unter die Gewalt Roms .Nach dem Tode des Drusus im Jahre 9 führt sein Bruder Tibe-rius die Eroberung Germaniens weiter; die Reichsgrenze wirdan die Elbe vorgeschoben. Aber eine Empörung der germa-

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