bildende Kraft, die hier auf den Trümmern des römischen Welt-reiches die Grundlagen schuf für die neue Gestaltung des Occi-dents». Aus angeborner Art, aus der lange genossenen Schulerömischer Kriegszucht, aus der Berührung mit römischem Staats-wesen in dem eroberten Gallien bilden sich die Mittel und dieImpulse, die Expansionskraft, der Wille zur Hegemonie.
Und auf diesem Hintergründe erfüllen sich nun auch dieGeschicke unseres Elsasses.
Zur selben Zeit, da die Alamannen das Eisass in Besitznahmen, erhielten sie als Nachbarn im Norden die Burgundionen.
Vom Gebiete des Mains her, wo sich diese, ihre Heimat ander Oder verlassend, im dritten Jahrhundert festgesetzt hatten,nahmen sie zu Beginn des fünften das linke Rheinufer bei Worms in Besitz. Hier gründete König Günther sein Reich, das im Ni-belungenlied mit unvergänglichem Glanz verherrlichte. In derErzählung dieses Liedes von der Vernichtung der Burgundendurch König Etzel aber lebt, sagenhaft umgestaltet und wunder-bar geadelt, die Niederlage weiter, die den historischen Burgun-dionen im Jahre 437 durch die hunnischen Hilfsvölker desAetius , römischen Statthalters, bereitet worden ist in Abwehrihrer Angriffe auf das römische Reich. Einige Jahre später, imJahr 443, verliessen sie das Rheinland und wurden in der Sa-baudia, im Rhonegebiet, angesiedelt.
Damit aber war den Alamannen die Freiheit der Ausdeh-nung gegeben. Wir sehen sie über die Grenzen des Elsasses hin-austreten. Sie besetzen Gebiete am Mittelrhein ; sie machenWorms zur alamannischen Stadt; sie stossen vor in die Gebieteder Mosel und der Maas . Und hier treffen sie auf die Franken ,die auch ihrerseits erobernd Vordringen.
Aetius , der letzte Wächter Roms in diesen Landen, ist nichtmehr, Nordgallien von Rom abgeschnitten und grossenteils durchdie Hunnen furchtbar verwüstet. Als Erben dieses herrenlosenLandes melden sich die germanischen Nachbarn, Alamannenund Franken. Der Konflikt ist unvermeidlich. Er führt zu wie-derholten Kämpfen; der entscheidende Sieg Chlodwigs im Jahre496 bewirkt, dass der grösste Teil des alamannischen Landes,dabei auch das Eisass, dem fränkischen Reich einverleibt wird.
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