Klage, dass der Rhein verloren sei, an den wilden Alamannen,der den Rhein trinke an den römischen Ufern und zu beidenSeiten des Stromes übermütig weile, dort rechts als Bürger, hierlinks als Sieger:
Rhenumque ferox Alemanne bibebasRomanis ripis et utroque superbus in agroVel civis et victor eras.
Die Alamannen sind am Ziel. Ein anderes Volk verlangt jetztunsere Aufmerksamkeit: die Franken .
Auch bei ihnen handelt es sich um eine Mehrheit von Völker-schaften. Es sind die zwischen Niederrhein und Weser gesessenenVölker, als deren Kemvolk wir die Bataver im Mündungsgebietedes Rheins besonders zu würdigen haben. Sie sind schon früh mitdem römischen Reiche vereinigt. Sie erhalten eine Sonderstellungim Reichsverband und namentlich im Heerwesen. Sie gemessenSteuerfreiheit und werden dafür mehr als Andere zur Rekru-tierung herangezogen. Sie gelten als die besten BarbarentruppenRoms. Die kaiserlichen Leibwachen werden meist aus ihnengebildet; in der Strassburger Schlacht des Jahres 357 sind es dieBataver, deren Tüchtigkeit Rom zum Siege hilft.
Aber seit der Mitte des dritten Jahrhunderts sehen wir auchdiesen Völkerbund das römische Reich bekriegen und Einfällein dessen Gebiet machen. In den Erzählungen hievon trägt erzum ersten Male den Namen der Franken .
Zwei Jahrhunderte hindurch wiederholen sich nun die An-griffe dieser Franken auf das römische Land. Ein Gebiet umdas andere geht an sie verloren. Sie drängen vorwärts, durchHolland und Belgien , bis nach dem Hennegau und der Somme.Sie erobern Köln , Arras , Amiens , Cambrai , Trier . Im Jahre 486stürzt und tötet ihr Fürst Chlodwig den letzten römischen Re-genten in Gallien , Syagrius, und übernimmt als Frankenkönigdie römische Herrschaft. Sein Reich erstreckt sich bis zur Loire ,seit der Bezwingung der Westgoten im Jahr 507 bis zur Garonne.
Allen germanischen Staatenbildungen der Zeit ist diesesFrankenreich an Ausdehnung überlegen. In ihm auch sehen wirden die Herrschaft führenden Geist sich in ganz bestimmterWeise entwickeln. Man rühmt an den Franken ihre «staats-
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