ut circumdata retiis busta declinant, sagt Ammian von ihnengerade mit Bezug auf die Rheinlande. Sie meiden die Städte, wieder Eroberer eines Grundstückes die darauf befindlichen Gräberzu berühren sich scheut. ,Die Abneigung der Germanen vor demStadtleben, von dem Tacitus redet, bestand auch jetzt noch.Vielleicht nicht mehr lange. Aber in den ersten Zeiten derOkkupation war der deutsche Zuzug in die vorhandenenStädte spärlich und wohl meist auf die Vorstädte ausserhalb derMauern beschränkt. Innerhalb der Mauern der eroberten Stadtkonnte Einöde sein oder es hielten sich dort noch Reste der altenBevölkerung. Jedenfalls war ein grosser Teil des städtischenBodens, wenn die römischen Grundbesitzer geflohen oder nieder-gemacht waren, herrenloses Gut und wurde nun Eigentum desFiskus, des Königs.
Auch im offenen Lande, dem eigentlichen Gebiete der Ok-kupation, fiel manches grosse Stück an die Führer. Im übrigenaber besetzten die Germanen das Land mit den ihnen gewohn-ten Formen von Haufendorf und Gewannflur. Die alte keltischeoder romanische Siedelung mochte dabei zu Grunde gehen; eswurde doch auch manches Vorhandene, was zu Gutsbetrieb undAgrarwesen gehörte, durch die neuen Herren übernommen: einentwickelterer Landbau, Dreifelderwirtschaft, Obstkultur, Wein-bau. Dabei ist auch daran zu denken, dass manche früheren Be-wohner in den neuen Zuständen weiterlebten, sei es in Bewirt-schaftung eigenen Landes, sei es als Sklaven der Deutschen ,denen sie mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen dienen konnten.
Ein völliges Ausrotten der früheren Bevölkerung des Elsassesdurch die deutschen Eroberer hat jedenfalls nicht stattgefunden.Auch nicht ein Zurückdrängen entwickelter Zustände in primi-tivere Formen, sondern eher noch Hebung des schon Vorhande-nen dadurch, dass eine ältere Kultur sich mit neuen Anschau-ungen und neuen frischen Kräften verband.
Die Frage nach der örtlichen Verteilung der verschiedenenVölkerschaften im Lande ist zu beantworten unternommenworden auf Grund der bestehenden Ortsnamen. Sichere Ergeb-nisse sind hiebei kaum zu gewinnen. Doch dürfen wir anneh-men, dass die heute bestehenden Ortsnamen mit der Endungingen im Allgemeinen auf alamannische Gründung hinweisen,
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