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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Sieges von 496 dem fränkischen Staatswesen unmittelbar einge-ordnet und dessen Verwaltung unterstellt worden. Aber auch indieser Verbindung bewahrte es seine Eigenart, sein Volkstum;es wurde nicht in der gewaltsamen Weise kolonisiert und frän-kisch gemacht wie das Gebiet am Neckar . Zugleich aber hat esein separates Recht auch gegenüber jenem andern Alamannien.Darin nämlich, dass es niemals zum Herzogtum Alamannien ge-zählt worden ist. Der Rhein galt als Grenze zwischen diesemHerzogtum und dem Reichsteil Austrasien , zu dem das Eisassgehörte.

Die Beziehungen des Elsasses zum Merowinger Reiche stehenunter der Wirkung der Begebenheiten, die das Wesen diesesReiches ausmachen. Im ersten halben Jahrhundert nach Chlod-wigs Auftreten ist alles Grosse geschehen; was von da an zweiJahrhunderte lang die Geschichte des Königshauses bildet, istein scheussliches Gemenge von Gier, von Verwandtenmord, vonGreueln aller Art.

Unter den Söhnen Chlodwigs geschah die erste Ausscheidungder beiden Hauptteile der nördlichen Reichshälfte, d. h. in derHauptsache der Stammlande und der gallischen Eroberung, indas westliche Neustrien und das östliche Austrasien. AndereReichsteile waren Aquitanien , Burgund usw. Aber jede folgendeSuccession in jedem dieser Teile brachte aufs neue den Kampfder beiden Prinzipien des Erbrechts und des Reichsganzen; inbeständigem Wechsel, der begleitet ist durch Mord und Bürger-krieg, schwankt das Merowingerreich zwischen Teilreichen undEinheitsstaat. Auch das Eisass ist hiedurch berührt.

Zunächst teilt es die Geschicke Austrasiens und hat nur mitdessen Königen zu tun. Diese weilen wiederholt in dem Grenz-lande, wo sie in Strassburg , Marlenheim , Selz usw. ihre Pfalzenhaben. Allen voran der Enkel Chlodwigs, Theudebert I. (534 bis548), ein seine Verwandten weit überragender Herrscher, dessenPläne dahin gehen, auch Italien zu bezwingen, ja selbst Byzanzanzugreifen. Später Childebert II. (575596), der Sohn Sieg-berts von Austrasien ; wiederholt hält er sich im Eisass auf. Wieer mit seiner Mutter, der gewaltigen Brunhildis, in Strassburg ist,kommen Gesandte der Grossen von Soissons und Meaux , dieeinen seiner Söhne zum Herrscher begehren. Im Königshofe zu

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