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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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In der Zugehörigkeit zu Deutschland geht nun das Eisass voneiner Hand in die andere; seine Herrscher sind Ludwig derDeutsche 870876, Karl der Dicke 876887, Arnulf 887895,Zwentibold 895900, Ludwig das Kind 900911.

Störer dieser Verhältnisse ist vorerst Westfranken. Nachdem Tode Ludwigs versucht König Karl, das linke Rheinufer,also auch das Eisass, zu gewinnen; aber er unterliegt den deut­ schen Waffen bei Andernach am 8. Oktober 876.

Andere Störungen erwachsen aus dem Zustande Lothringens .Nach dem Tode Ludwigs des Stammlers, Königs von Westfran-ken, wird von dem im Jahre 870 erworbenen Gebiete des nörd-lichen Lotharingiens die Hälfte an Deutschland abgetreten, durchden Vertrag von Ribemont im Februar 880. Damit ist eine neueWestgrenze Lothringens , zugleich neue Westgrenze des Deut-schen Reiches, gegeben. Dieses Lothringen gibt König Arnulf imJahre 895 seinem Sohne Zwentibold und verbindet damit dasEisass. Aber Zwentibold stirbt schon im Jahre 900, und nunfällt mit Lothringen auch das Eisass wieder an Deutschland .

Der Tod Ludwigs des Kindes, des letzten der ostfränkischenKarolinger, im Jahre 911 zerreisst für einige Zeit die VerbindungLothringens mit dem Reich. Denn König Karl von Westfranken,zubenannt der Einfältige, nimmt jetzt das Land gewaltsam inBesitz. Erst in den Jahren 923925, durch König Heinrich I.,wird Lothringen für Deutschland zurückgewonnen. Aber vondieser vorübergehenden Beherrschung Lothringens durch West-franken aus wird wiederholt auch das Eisass angegriffen. ImJahre 911 nimmt König Karl dieses Land ein und waltet in ihmals Landesherr, bis ihn König Konrad vertreibt; ein zweiter Vor-stoss im Jahr 920 wird durch König Heinrich I. zurückgeschlagen.

In solcher Weise ging das Eisass aus dem Getümmel undGewühle hervor, das als Auflösungsprozess des Karolingerreichesein halbes Jahrhundert beschäftigt hatte. Es war nun ein Teildes Deutschen Reiches, ein Stück Deutschland .

Aber welcher Art waren im Eisass selbst die öffentlichenZustände?

Wir vernehmen von Kriegszügen, von Schlachten; wir sehenMenschenscharen oft in der stärksten Bewegung. Aber sie sind