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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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ohne eigenes Leben, eine stumme unselbständige Masse. Wieselten sind, neben den Vergabungen der Grossen an Klöster, die-jenigen aus den Volkskreisen geworden, wie dürftig und mo-noton sind jetzt die einst reichen Zeugenreihen. Ueberall dieZeichen der grossen Umgestaltung, die sich im Gesamten derBevölkerung vollzieht. Schon unter Karl dem Grossen ist dieRede davon, wie die kleinen Leute durch die grossen bedrücktwerden oder wie sie unter den Einfällen der Feinde, unter derLast des Kriegsdienstes leiden. Sie verarmen und sind genötigt,sich unter die Gewalt und den Schutz Mächtiger zu begeben. Dasist die Flucht der Kleinbauern unter die Grundherren; das ist dasWerden jener persönlichen und sachlichen Abhängigkeiten, fürdie das Recht so mannigfaltige Formen gefunden hat. Es schwin-det die allgemeine Freiheit; immer grössere Teile geraten in Ab-hängigkeit.

Das geschichtliche Bild des Elsasses ist zum Teil durch dieseZustände bestimmt. Es wird wieder ein reicheres werden, wennder neue Adel sich entwickelt, dessen erste Anfänge zum Teilgerade in diesen Abhängigkeitsverhältnissen wurzeln; und wenndie Städte entstehen, wenn ein neues Volk in ihnen laut wird.

Zur Verarmung des öffentlichen Lebens im Eisass wirktauch die Art seines Verhältnisses zum Reiche. In Allem ist spür-bar, dass das Land am Rande dieses Reiches liegt. Es hat seinProvinzleben für sich, ohne die Einwirkung grosser Zusammen-hänge, ohne ein starkes Gemeinsames. Während die Macht desReiches ferne ist, sieht sich das Eisass den vereinzelten lokalenKräften preisgegeben.

Es ist die Zeit, da die Bischöfe ihre Territorien begründen,Fürsten zu werden beginnen; die Zuweisungen der Ottonen andas Bistum Strassburg sind Zeugnisse dieser Entwicklung.

Neben den Bischöfen machen sich geltend die grossen welt-lichen Geschlechter. Durch ihr Eingewurzeltsein, ihre Verwandt-schaften und ihre Nachkommenschaften von dauernderer Be-deutung für das Land als Jene.

Ein Herzogtum fehlt dem Eisass. Es fehlt damit die Macht,die in andern deutschen Landschaften Mittelpunkt des öffent-lichen Lebens ist, ihre Eigenart vertritt und schirmt und ihreKräfte zusammenhält. Allerdings entsteht im Laufe des zehnten

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